Bei der „Unterscheidung der Geister“ handelt es sich um eines der prominentesten Themen innerhalb der religiösen Literatur des Spätmittelalters.

Übersicht
Quelle: Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 784, fol. 95r

Im Zentrum steht die Darstellung der vier „Geister“ Gott, Engel, Teufel und Natur und ihrer Einwirkungen auf das Seelenleben des Menschen. Während die beiden ersten Geister eindeutig positiv und der teuflische Geist eindeutig negativ bestimmt werden, nimmt der natürliche Geist eine ambivalente Position ein. Denn er ist gleichermaßen durch seine Gottebenbildlichkeit wie durch seine Sündhaftigkeit gekennzeichnet. Tendenziell betonen die spätmittelalterlichen Unterscheidungsschriften jedoch den zweiten Aspekt und nähern damit Natur und Teufel einander an. Außerdem betonen sie nachdrücklich die Fähigkeit dieser beiden negativen Geister, Gott und Engel zu imitieren. Um die vier Geister dennoch voneinander unterscheiden und damit das Seelenheil günstig beeinflussen zu können, entwickeln die Texte komplexe Strategien der Selbst- und Fremdbeobachtung, die ein flexibles Set moralischer, psychologischer und dogmatischer Kriterien zur Anwendung bringen.

 

Das seit dem 15. März 2015 laufende Projekt will mit der Edition und Kommentierung von sieben spätmittelalterlichen Unterscheidungstraktaten einen Beitrag dazu leisten, diese Thematik in ihrer Vielfalt wie in ihrer Widersprüchlichkeit zugänglich zu machen und damit sowohl eine Grundlage als auch einen Anreiz für weitere Forschungen bieten.

 


 

Kontakt
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Arbeitsstellenleiterin
Der Österreichische Bibelübersetzer. Gottes Wort deutsch
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