Lebensläufe und Karrieren einer bisher nicht zusammenfassend verzeichneten Klasse von Juristen

Die Initiative hat das Ziel, ein auf die Lebensläufe und Karrieren aller Rechtslehrer der DDR ausgerichtetes Handbuch zu erarbeiten und damit der Wissenschaft und dem Interessierten ein Nachschlagewerk zur Verfügung zu stellen, in dem die fachlichen und politischen Lebensläufe dieser Juristen, Nachrichten über ihre systeminterne Bewertung und Hinweise auf ihre literarischen und pädagogischen Leistungen nachzulesen sein werden. Unverzichtbar sind eine weiterführende Einleitung und ein extensives Glossar, das die wissenschaftsspezifische Fachsprache der DDR erschließt. Damit werden der Forschung Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, die es erlauben, über den jetzigen Stand insularer und isolierter Betrachtung deutlich hinauszugelangen.

 

Die bisher geleistete Arbeit hat ergeben, dass es insgesamt rund 500 Professoren und Dozenten sind, die den Rechtsunterricht in der DDR geformt und getragen haben. Das Studium der nur teilweise bekannten und nirgends zusammenfassend verzeichneten Klasse von Juristen ist außerordentlich interessant – nicht nur wegen der farbigen Viten und der von diesen Männern und Frauen unter erheblichen intellektuellen Anstrengungen erzeugten literarischen marxistischleninistischen Rechtswelt, sondern auch wegen der vielfachen Verflechtungen und Bündnisse, die sie untereinander und nach außen pflegten. Zudem werden die von der DDR für ihre akademischen Eliten entwickelten Selektions- und Rekrutierungskriterien im gesellschaftlich besonders sensiblen Bereich der Jurisprudenz genau erkennbar.
 

© 2020 Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften