Helmina von Chézy in Briefen und Dokumenten

Helmina von Chézy (1783–1856), geb. Klencke (1783–1856), war eine der faszinierendsten und facettenreichsten weiblichen Intellektuellen des 19. Jahrhunderts: Ihr vielseitiges Œuvre umfasst – knapp umrissen – Gedichte, Erzählungen, Novellen, Reise- und Kunstbeschreibungen, Opernlibretti und dramatische Werke.

Nach einem prägenden Jahrzehnt in Paris (1801–1810), wo sie die Schlegel-Kreise der Romantik kannte und als Journalistin tätig war, wirkte sie später intensiv in Deutschland, besonders in Dresden. Ihre literarische Vielseitigkeit zeigt sich in Gedichten, Erzählungen, Kunstbeschreibungen und der zweibändigen Kunstreportage Leben und Kunst in Paris seit Napoleon I. (1805/1807). 1821 gab sie Iduna heraus, ein frühes Forum „für Frauen, von Frauen". Im Dresdner Liederkreis arbeitete sie mit Carl Maria von Weber am Libretto zur Oper Euryanthe (1822/23) zusammen. 1815/16 pflegte sie in Lazaretten verwundete Soldaten und deckte Missstände auf – eine Zivilcourage, die zur Gefängnisstrafe führte, bis E. T. A. Hoffmann ihre Verteidigung übernahm. Trotz anhaltender Produktivität belasteten finanzielle Sorgen ihre späteren Jahre bis zu ihrem Tod 1856 in Genf.

Helmina von Chézy baute zeit ihres Lebens ein umfangreiches Korrespondenznetzwerk zu Schriftsteller:innen, Politiker:innen, Künstler:innen und Verlegern auf. Ihre Briefe dienten nicht nur der Freundschaftspflege, politischen Unterstützung und Verlagsverhandlungen, sondern bildeten auch die Grundlage ihrer Existenzsicherung. Sie eröffnen eine weibliche Perspektive auf das literarische Leben um 1800 und geben Einblick in das Selbstverständnis einer Frau, die sich als alleinerziehende Mutter, berufstätige Intellektuelle und Künstlerin in einer männlich dominierten Kulturszene behaupten musste.

Der seit 1944 im Akademiearchiv verwahrte Nachlass von Helmina von Chézy ist äußerst umfangreich, wobei die Korrespondenz etwa die Hälfte des Bestands ausmacht. Besonders bemerkenswert ist der hohe Anteil an Frauenkorrespondenz, der Chézys Vernetzung mit Frauen unterschiedlichster sozialer Stellung und literarischer Bedeutung ihrer Zeit dokumentiert und die geschlechtergeschichtliche Relevanz ihres Briefnachlasses unterstreicht. Seit 2025 wird der Nachlass feinerschlossen – zunächst die Briefe (https://www.bbaw.de/gender-data/chezy). Aus diesem Anlass lädt die BBAW am 4. Februar zu einer halbtägigen Veranstaltung, die zwei aufeinander abgestimmte Formate verbindet: einen öffentlichen Mittagssalon und einen anschließenden Workshop. 

Beide Teile erfordern eine separate Anmeldung.


Teil 1

Mittagssalon: Helmina von Chézy – Ein Nachlass erwacht 

Der Nachlass von Helmina von Chézy, der 1944 in den Besitz der Preußischen Akademie der Wissenschaften gelangte, umfasst etwa 12.000 Blatt, davon gut die Hälfte Briefe. Anhand ausgewählter Quellen zeichnen Bénédicte Savoy, Michael Rölcke und Frederike Neuber das facettenreiche Leben der Schriftstellerin und Intellektuellen nach: von den Pariser Jahren und ihrer kunstkritischen Tätigkeit über ihr politisch-humanitäres Engagement in Lazaretten bis hin zum Mitwirken im Dresdner Liederkreis.

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Teil 2

Workshop: Helmina von Chézy in Briefen und Dokumenten

Der Workshop versammelt Expertinnen, die sich mit Helmina von Chézys Texten und Briefen auseinandersetzen und dabei Fragen von weiblicher Autorschaft und Gender sowie digitaler Editions- und Archivpraxis aufwerfen. 

Organisation: Frederike Neuber & Michael Rölcke

13.45 UhrAnmeldung/Einlass
14.00–14.20 UhrEinführung und kurzer Werkstattbericht zur Nachlasserschließung 
14.20–15.00 UhrJadwiga Kita-Huber (Jagiellonen-Universität Krakau): Helmina von Chézys Nachlass in der Sammlung Varnhagen (Jagiellonen Bibliothek in Krakau)
15.00–15.40 UhrSelma Jahnke (Österreichische Akademie der Wissenschaften): „Schwestern, es ist das leibhaftige Bild [...] des Communismus!“ oder: Juliette Récamier. Ein – Nekrolog. Ein multidimensionaler Text aus dem Chézy-Nachlass
15.40–16.00 UhrKaffeepause
16.00–16.40 UhrCharlotte Zweynert (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): Wirksamkeitsvermögen. Helmina von Chézy und die Neuperspektivierung von Geschlechtergeschichte
16.40–17.20 UhrFrederike Neuber (TELOTA, BBAW) & Sandra Miehlbradt (Archiv, BBAW): Genderspezifika digital sichtbar machen in Archiv und Edition 
17.20–18.00 UhrAbschlussdiskussion

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