Alte Welt heute - Perspektiven und Gefährdungen

Akademientag 2015

11. Mai 2015

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Der diesjährige Akademientag, die Gemeinschaftsveranstaltung der acht in der Akademienunion zusammengeschlossenen Akademien, widmet sich dem Thema "Alte Welt". Mit Vorträgen und Diskussionen möchten wir die Bedeutung antiken Kulturguts für unsere Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Alte Welt heute - Perspektiven und Gefährdungen
Alte Welt heute - Perspektiven und Gefährdungen

Kulturgüter sind Zeugen des kulturellen Gedächtnisses und spiegeln die Geschichte und Identität eines Landes auf einzigartige Weise wider. Gerade aus diesem Grund sind sie aber auch immer wieder Ziel von Zerstörungsaktionen, mit denen die Erinnerung an die Vergangenheit ausgelöscht werden soll. Die jüngsten Bilder aus dem Irak, die uns tagtäglich über die Medien erreichen, führen dies eindrücklich vor Augen.

 

Mit unserem diesjährigen Akademientag mit dem Titel „Alte Welt heute – Perspektiven und Gefährdungen“ möchten wir die Bedeutung antiken Kulturguts für unsere  Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Welche Bedeutung die Antike für unsere Zeit hat und wie unser Wissen über antike Wurzeln in Bezug auf Geschichte und Politik, Sprache und Literatur sowie Mythen bewahrt werden kann, werden unsere Expertinnen und Experten ebenso diskutieren wie die Frage, welche neuen Zugänge zur „Alten Welt“ uns die Wissenschaft heute insbesondere durch die Digitalisierung ihrer Forschungsergebnisse ermöglicht. Wir möchten den Blick aber auch auf die aktuelle Gefährdung von Kulturgütern durch Krieg, Raubgrabungen und Verwahrlosung lenken und Lösungsansätze zu deren Schutz diskutieren.

 

Unser kulturelles Erbe zu erschließen, zu sichern und zu vergegenwärtigen, dazu dient auch das gemein­same Forschungsprogramm der deutschen Akademien. Mit Projektständen und Kurzvorträgen möchten wir Ihnen bei unserer Veranstaltung die Gelegenheit bieten, einen tieferen und anschaulichen Einblick in wichtige altertumswissenschaftliche Projekte aus unserem Akademienprogramm zu gewinnen. Im Namen der acht in der Akademienunion zusammengeschlossenen deutschen Wissenschafts­akademien lade ich Sie sehr herzlich zu unserem Akademientag ein. Ich würde mich sehr freuen, Sie am 11. Mai 2015 in Berlin begrüßen zu können.
 


Günter Stock
Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Begrüßung
Gernot Wilhelm
 

Impulsvortrag

Hermann Parzinger

 

Leibniz-Saal: "Bewahren" — Impulsvorträge und Diskussion


I. Bewahren vor Zerstörung
Krieg

Christoph Markschies
Raubgrabungen

Margarete van Ess
Verwahrlosung

Massimo Osanna
Moderation: Friederike Fless

 

II. Bewahren vor Vergessen
Vergessene Wurzeln: Geschichte, Politik, Recht

Christian Meier

Vergessene Kenntnisse: Sprachen, Literatur, Mythos

Hartmut Böhme
'Verdrängung' durch Konkurrenz: Neue mythische Welten

Monika Schmitz-Emans
Moderation: Heike Schmoll

 

III. Neue Zugänge zur Alten Welt - Digitalisierung als neues Arbeits- und Archivierungselement
Edition der literarischen Keilschrifttexte von Assur

Stefan Maul
Strukturen und Transformationen des Wortschatzes der ägyptischen Sprache 

Stephan Seidlmayer
eAQUA Projekt

Charlotte Schubert
Moderation: Reinhard Förtsch
 

Diskussion (E-Humanities), mit Ministerialdirigent Dietrich Nelle, Bundesministerium für Bildung und Forschung

 

Einstein-Saal: Faszination "Alte Welt" — Akademieprojekte in 7 Minuten


I. Materialien
Papyrusforschung mit Lupe und Synchrotron

Jürgen Hammerstaedt
Zeugnisse römischer Lebenswelt. Die Edition aller antiken lateinischen Inschriften

Manfred Schmidt
Keilschrifttafeln://analog und digital

Gernot Wilhelm
Ton und Bild. Scherben zeigen antike Welten

Stefan Schmidt
Der Klang der Antike I

Stefan Hagel
Moderation: Pirmin Stekeler-Weithofer

 

II. Jenseits von Europa: Breite und Vielfalt der alten Welt
Türken als Buddhisten — Die Erforschung der altuigurischen buddhistischen Texte aus Turfan

Yukiyo Kasai
Der Buddhismus entdeckt die Schrift — die Handschriften aus Gandhãra

Stefan Baums
Corpus Coranicum

Michael Marx
Von den "Sünden" ägyptischer Priester

Dieter Kurth
Botschaften der Urwaldkönige: Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya

Nikolai Grube
Moderation: Erwin Kreuzer

 

III. Neue Funde, Entdeckungen und Ergebnisse
Archäologie und Kult — neue Forschungen in Didyma

Helga Bumke
Die Wörter aus den Höhlen in der Wüste — Qumran-Lexikon

Annette Steudel und Ingo Kottsieper
Wissen in Stein — Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens

Christian Leitz
Ein Puzzle mit vielen Unbekannten. Rekonstruktion des koptischen Alten Testaments

Frank Feder
Der Klang der Antike II

Stefan Hagel
Moderation: Hanns Hatt

 

In der Projektstraße präsentieren sich von 12:00 bis 18:00 Uhr 20 altertumswissenschaftliche Projekte aus den Akademien:


Corpus Coranicum / Corpus Inscriptionum Latinarum / Corpus Vasorum Antiquorum / Die frühbuddhistischen Handschriften aus Gandhara / Die Inschriften des ptolemäerzeitlichen Tempels von Edfu / Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens / Digitale Gesamtedition und Übersetzung des koptisch-sahidischen Alten Testaments / Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur / Epigraphische Datenbank römischer Inschriften / Forschungen zur antiken Sklaverei / Hethitische Forschungen / Inscriptiones Graecae / Kulte im Kult / Qumran-Wörterbuch / Sammlung, Kommentierung und Herausgabe von Papyrusurkunden / SAPERE (Schriften der späteren Antike zu ethischen und religiösen Fragen) / Strukturen und Transformationen des Wortschatzes der ägyptischen Sprache / Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya / Thesaurus Linguae Latinae / Turfanforschung

Mit eigens für den Akademientag konzipierten Workshops möchten wir Schülerinnen und Schüler ab der 9. Jahrgangsstufe dazu einladen, mehr über ausgewählte Aspekte der "Alten Welt" zu erfahren und sich mit unseren Forscherinnen und Forschern auszutauschen. Die Workshops sind für Gruppengrößen bis maximal 20 Schüler geeignet und finden am 11. Mai 2015 ab 10:00 Uhr statt. Für die Teilnahme sind Sprachkenntnisse in Latein (ab dem 4. Lateinjahr) und Griechisch (ab dem 3. Jahr) Voraussetzung.

 

Die Workshops im Einzelnen:

1. Papyruszeugnisse für antike Zauberei - Ein Einblick in die Papyrusforschung (Jürgen Hammerstaedt und Robert Daniel, Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste): Mit originalen Kölner Papyri soll die Praxis antiker Magie veranschaulicht werden. Den Schülern wird die Möglichkeit gegeben, sich in praktischen Übungen mit den grundlegenden Techniken eines sachgerechten Umgangs mit solchen Dokumenten bekanntzumachen.


2. Das Schatzhaus der lateinischen Sprache - Ein Einblick in die Arbeit des Thesaurus Linguae Latinae (Michael Hillen und Manfred Flieger, Bayerische Akademie der Wissenschaften): Wie entsteht ein Wörterbuch? Wodurch unterscheidet sich der Thesaurus Linguae Latinae, das Schatzhaus der lateinischen Sprache, von anderen Wörterbüchern? In dem Workshop werden Einblicke in die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Erstellung des Thesaurus Linguae Latinae gegeben, dem ersten umfassenden Wörterbuch des antiken Lateins. Die Grundlage dafür bildet ein Archiv, das etwa 10 Millionen Zettel umfasst und alle überlieferten Texte berücksichtigt.

 

3. Lateinische Inschriften - Ein Einblick in das Corpus Inscriptionum Latinarum und die Epigraphische Datenbank Heidelberg (Marcus Dohnicht, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und Brigitte Gräf, Heidelberger Akademie der Wissenschaften): Inschriften begegnen uns im Alltag überall: Seien es Inschriften auf Denkmalen, auf Gebäuden, auf Gräbern oder Graffiti auf Hauswänden. In dem Workshop werden antike lateinische Inschriften anhand einiger Beispiele aus Rom, Pompeji und der germanischen Provinz vorgestellt. Welche Informationen können aus diesen Inschriften z. B. über Religion und Sozialstruktur der Gesellschaft des Römischen Reiches gewonnen werden? Die Schüler erfahren, wie Epigraphiker arbeiten und was sich hinter dem Corpus Inscriptionum Latinarum verbirgt und wie sich jedermann die Epigraphische Datenbank Heidelberg im Internet zunutze machen kann.

 

Bitte melden Sie sich mit Ihrer Schülergruppe verbindlich bis spätestens 30. April 2015 zu einem der Workshops an bei Frau Elke Richter, Tel.: 030 / 325 98 73 71, E-Mail: sekretariat@akademienunion-berlin.de.

Wir laden Schülerinnen und Schüler herzlich ein, an unserem Schülerwettbewerb zum Thema "Alte Welt und Wir" teilzunehmen. Wir freuen uns auf Essays, Collagen oder Fotodokumentation, die eine der folgenden Fragen beantworten:

 

Welches Forschungsprojekt zur Alten Welt finden Sie besonders spannend?
Welche neuen Perspektiven auf die Alte Welt haben Sie gewonnen?
Warum ist die "Alte Welt" heute noch wichtig für uns – oder warum ist sie das vielleicht doch nicht?

 

Mitmachen können alle Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse der Berliner und Brandenburger Schulen, die an unserem Akademientag teilgenommen haben. Gerne können die Einsendungen auch in Zweiergruppen erarbeitet werden.

 

Die besten drei Einsendungen werden von unserer Jury prämiert:
1. Preis: Jahreskarte für Berliner Museen
2. Preis und 3. Preis: Buchpreis oder E-Book-Gutschein

 

Einsendeschluss ist der 25. Mai 2015. Bitte senden Sie Ihre Einsendungen an:
Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin
oder per E-Mail an:
sekretariat@akademienunion-berlin.de

Babylon - Sehnsuchtsort für Multiethnizität?"

 

Begrüßung

Günter Stock


Grußwort

Georg Schütte

Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung

 

Podiumsdiskussion mit

Ulrich Konrad

Stefan Maul

Herfried Münkler

Jörg Widmann

Moderation: Christoph Markschies

 

Bei unserer Abendveranstaltung möchten wir die Stadt Babylon als „Sehnsuchtsort“ für das Zusammenleben verschiedener Kulturen beleuchten. Im Großreich Babylon erblühten Literatur, Sprachen und Wissenschaften, und eine der ersten Gesetzessammlungen ist von dort überliefert. Konträr zu dieser geschichtlichen Überlieferung steht der biblische Mythos des „Sündenbabel“ – Sprachverwirrung und Entfremdung der Kulturen als göttliche Bestrafung. Ausgehend von der Oper „Babylon“ des Komponisten Jörg Widmann diskutieren unsere Experten den Ursprung und die unterschiedliche Rezeption des Mythos im Laufe der Geschichte und die Relevanz des Themas für die Gegenwart angesichts aktueller ethnischer Konflikte.
 

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