Die Kunstfreiheit und die Künste

Akademievorlesung der Initiative „Akademisierung der Künste“

25. April 2024

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Die Idee, die Kunstfreiheit ließe der Kunst einen Raum zur freien Entfaltung, ist so einleuchtend wie problematisch. Sie war auf Kunst in geschlossenen Räumen ausgerichtet. Umgekehrt lässt sich fragen, warum in einer liberalen Ordnung Kunst mehr dürfen sollte als anderes, zumal wenn sie Dritte verletzt. Schließlich wandelt sich mit den Künsten auch die Notwendigkeit, ihre Grenzen zu kodifizieren.

Die Idee, die Freiheit der Kunst als eigenes Grundrecht zu verstehen, ist ein Produkt der deutschen Kunstreligion des 19. Jahrhunderts, das sich zuerst in Art. 142 Satz 1 WRV der Weimarer Reichsverfassung auf nationaler Ebene positiviert findet. Wirklich klar ist die Funktion dieser Garantie bis heute nicht, schließlich werden alle möglichen Ausdrucksformen von der Meinungsfreiheit geschützt. Entsprechend leerlaufend ist die Garantie der Kunstfreiheit in der Praxis der Bundesrepublik, wie sich am spärlichen Fallmaterial leicht zeigen lässt. Auch theoretisch erscheint fraglich, warum in einer liberalen Ordnung Kunst mehr dürfen sollte als andere gesellschaftliche Praktiken, noch dazu, wenn dieses Mehr andere Rechte verletzt oder einschränkt. Auch für die Selbstdarstellung künstlerischer Praktiken ergibt sich ein Problem, das schon aus der Religionsfreiheit bekannt ist: Sie ist gezwungen, ihre eigene Harmlosigkeit hervorzuheben, um sich plausibel auf die eigene Freiheit berufen zu können. Zudem scheint die Kunstfreiheit ohnehin nur noch zum Thema zu werden, wenn eine künstlerische Praxis ein politisches Mandat beansprucht. Für dessen Schutz bedarf es aber keines eigenen Kunstgrundrechts. Was dann von diesem bleibt, ist der Schutz einer kunstimmanenten Logik bei staatlichen Entscheidungen zur Kunstförderung. Was aber, wenn ein solcher Schutz einen Eigenstand ästhetischer Kriterien unterstellt, an den die geförderten Künste selbst nicht mehr glauben?

Ein Vortrag von Christoph Möllers (Humboldt-Universität zu Berlin | Akademiemitglied).

Eine Veranstaltung der Initiative „Akademisierung der Künste“.


DIE VERANSTALTUNGSREIHE 

Die Verortung der Künste im akademischen Bildungswesen und ihr Verhältnis zu den Wissenschaften werden heute verstärkt debattiert. Die Vorlesungsreihe fragt nach den historischen Tiefenstrukturen und aktuellen Konsequenzen von Akademisierungsprozessen in den Künsten. Wann und warum werden bestimmte Künste und die auf sie bezogenen Wissenschaften akademisch? Wie verändert sich dadurch unser Verständnis von Kunst?


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