Die Sprache von Forschung und Lehre: Bindeglied der Wissenschaft zu Kultur und Gesellschaft?

Öffentlicher Diskussionsabend

16. Oktober 2014

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstrasse 22/23, 10117 Berlin

In der Veranstaltung geht es daher um die Frage, inwieweit die selbst bei uns im Inland beobachtete Engführung der Wissenschaftskommunikation auf die englische Sprache die kulturelle Einbettung von Forschung und Lehre sowie die gesellschaftliche Einbindung und das demokratische Selbstverständnis der Wissenschaft berührt.

Die Sprache von Forschung und Lehre: Bindeglied der Wissenschaft zu Kultur und Gesellschaft?
Die Sprache von Forschung und Lehre: Bindeglied der Wissenschaft zu Kultur und Gesellschaft?

In Forschung und Lehre wird die deutsche Sprache zunehmend zugunsten eines vereinfachten Englisch aufgegeben. Während im internationalen Kontext ein gemeinsames Verständigungsmedium unschätzbare Dienste leistet, wird die ausschließliche Verwendung einer Fremdsprache in der internen täglichen Kommunikation unter Wissenschaftlern jedoch oftmals problematisch gesehen. Beispielsweise wird gegen eine englische Monolingualität das Argument vorgebracht, dass verschiedene Sprachen die Wirklichkeit jeweils unterschiedlich strukturieren und daher jede wissenschaftliche Tätigkeit, die stets nach einem Ganzen der Erkenntnis strebt, der Mehrsprachigkeit bedarf.

 

Auch wissenschaftliches Denken ist kulturkreisspezifisch und durch historische Traditionen geprägt. Unterschiedliche Argumentationsstrukturen und die kulturell-historische Aufladung von Bezeichnungen und Begriffen deuten darauf hin, dass die jeweilige Sprache wissenschaftliche Denkweisen mitbedingt. Während die Auswirkungen, die die Verdrängung unserer Landessprache für den Erkenntnisprozess und die binnenwissenschaftliche Kommunikation hat, oft thematisiert wurden, ist über deren Folgen für das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit wenig bekannt.

 

In der Veranstaltung geht es daher um die Frage, inwieweit die selbst bei uns im Inland beobachtete Engführung der Wissenschaftskommunikation auf die englische Sprache die kulturelle Einbettung von Forschung und Lehre sowie die gesellschaftliche Einbindung und das demokratische Selbstverständnis der Wissenschaft berührt. Ist die Sprache von Forschung und Lehre ein Mittler für die kulturelle und gesellschaftliche Verankerung der Wissenschaft? Bedeutet die Wahl einer Fremdsprache, dass sich die Wissenschaft jenseits der Gesellschaft und kultureller Traditionen angesiedelt sieht? Wird das vornehmste Ziel der Internationalisierung von Forschung und Lehre, nämlich der Aufbau eines interkulturellen Verständnisses, durch die kompromisslose Reduktion auf ein vereinfachtes Englisch gefördert oder gar behindert?

 

Referenten und Diskutanten:


Hermann H. Dieter

Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache (ADAWIS)


Johannes Ebert

Generalsekretär Goethe-Institut


Christian Fandrych

Herder-Institut Leipzig


Peter Finke

Wissenschaftstheoretiker und Autor


Ralph Mocikat

Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache (ADAWIS)


Heinrich Oberreuter

ehem. Direktor der Akademie für Politische Bildung Tutzing


Gerhard Schäfer

Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte


Wolfgang Thierse

ehem. Präsident des Deutschen Bundestages


Andreas Vierecke

Politikwissenschaftler und Redakteur (Moderation)

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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