Was aber ist mit den Anonymen, denjenigen, die im historischen Ablauf unsichtbar bleiben, die in Elend und Leid ihr Leben fristeten? Ein kurzer Blick in die Archäologie der Neuzeit weist auf mögliche Antworten hin. Von diesen Einsichten her erörtern wir zwei Fallbeispiele aus dem alten Mesopotamien. Das erste aus der Frühdynastischen Zeit des 3. Jahrtausends vor unserer Zeit, als das südliche Zweistromland (Sumer) in zahlreiche Stadtstaaten aufgeteilt war. Texte und Bilder legen nahe, dass Konflikte sich zwischen politisch-religiösen Eliten dieser Kleinstaaten abspielten. Wir wollen hier der Vielfalt der anderer nachspüren, die in diese Verhältnisse ebenfalls verstrickt waren. -- Als zweites Beispiel dient uns das neuassyrische Reich aus dem 1. Jahrtausend v.u.Z., eine militärische und politische Weltmacht, welche vom iranischen Hochland bis Ägypten fast die gesamte alte Welt unterjocht hatte. Könige wie Assurbanipal mit seiner berühmten Bibliothek und einem extravagant ausgestatteten Palast sind uns gut bekannt. Doch wie verhält es sich mit den Menschen, die unter seinen brutalen Kriegen litten und zu Zehntausenden deportiert wurden?
Mit Reinhard Bernbeck, Susan Pollock (FU Berlin, Institut für Vorderasiatische Archäologie)
Eine Veranstaltung des Zentrums Grundlagenforschung Alte Welt.