Vorlesungsreihe Funktionen des Bewusstseins
Michael Pauen:
Keine Angst vor der Natur. Zur Rolle des Bewusstseins in der Ordnung der Dinge

14. Mai 2009

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Vorlesungsreihe "Funktionen des Bewusstseins"

Michael Pauen: Keine Angst vor der Natur. Zur Rolle des Bewusstseins in der Ordnung der Dinge

Begrüßung und Einführung: Sabine Marienberg

Einer sehr weit verbreiteten und ebenso plausiblen Vorstellung zufolge gibt es einen Kern von Bewusstsein, der unmittelbar subjektiv erfahren wird, aber von jeglichen Funktionen unabhängig ist. Er ist daher weder direkt noch indirekt in wissenschaftlichen Kategorien erfassbar. Rätselhaft wird damit auch der Platz des Bewusstseins in der natürlichen „Ordnung der Dinge“. Doch so plausibel diese Vorstellung erscheinen mag: Sie ist falsch. Sämtliche Argumente, die sich zu ihren Gunsten anführen lassen, sind fehlerhaft. Wie jede andere natürliche Eigenschaft lässt sich auch Bewusstsein durch seine Funktion erfassen. Das aber bedeutet, dass auch eine wissenschaftliche Theorie möglich ist, die Bewusstsein als ein natürliches Phänomen beschreibt.

Zur Vorlesungsreihe


Bewusstsein hat jeder, der denkt oder spricht – aber es ist schwer, genau zu sagen, was es ist. Das Phänomen Bewusstsein ist daher ein ständiges Rätsel. Die Vorlesungsreihe wendet sich aus interdisziplinärer Perspektive den Funktionen des Bewusstseins zu.

 

Dabei wird der Frage nachgegangen, wie das phänomenale Erleben als ein funktionaler Bestandteil der natürlichen Welt begriffen werden kann. Einen gemeinsamen Ausgangspunkt der Überlegungen bildet die Annahme, dass subjektives Erleben und Bewusstsein Teil der Natur sind. Die Wirklichkeit, in der Subjekte eine phänomenale Perspektive haben, ist keine grundsätzlich andere als die, in der physische Objekte aufeinander wirken und Lebewesen mit ihrer Umwelt interagieren. Das bedeutet nicht, dass phänomenales Erleben auf physische Entitäten oder Prozesse auf sie reduziert werden kann. Vielmehr haben die phänomenalen Erlebnisse selbst eine natürliche Funktion. Unter dem Motto »putting qualia back to work« ist es das Ziel, die verschiedenen Funktionen, die bewusstes Erleben im Selbstverständnis von Personen sowie in deren Handeln und Interagieren hat, antidualistisch und antireduktionistisch zu bestimmen.

 

In der interdisziplinären Arbeitsgruppe 'Funktionen des Bewusstseins' untersuchen neun junge ForscherInnen aus Philosophie, Psychologie, Linguistik, Psychiatrie und Kunstgeschichte das Phänomen "Bewusstsein" aus verschiedenen Perspektiven. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Gruppe nahm 2006 ihre Arbeit auf. Ziel ist es, Zugänge zu einer neuen Beschreibung und Deutung des Bewusstseins zu eröffnen. Dazu gehört auch die Analyse der so genannten Erste-Person-Erfahrung: Um zu erkennen, wie dicht der Zusammenhang zwischen dem bewussten Erleben und anderen Leistungen des Lebens ist, interessiert die Gruppe vornehmlich die Stellung des Empfindens, Fühlens, Erinnerns und natürlich auch des Denkens im Zusammenhang eines sozial kommunizierenden, technisch produzierenden und sich dabei kulturell entfaltenden Organismus.

 

Sprecher der interdisziplinären Arbeitsgruppe ist Prof. Dr. Volker Gerhardt, Ansprechpartner sind die wissenschaftlichen Koordinatoren Jan-Christoph Heilinger und Isabel Kranz. E-Mail kranz@bbaw.de.


Eine Veranstaltung im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2009 "Forschungsexpedition Deutschland" (www.forschungsexpedition.de)

 

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Veranstaltungszeitraum:

18.30 Uhr

© 2020 Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften