Dimitrie Cantemir

Dimitrie Cantemir

Orientalistik, Geschichte, Geographie

* 26.10.1673 (im Fürstentum Moldau)
 21.08.1723 (Dmitrovka/Ukraine)

Mitgliedschaft(en)

  1. Auswärtiges Mitglied
    gewählt:
    11.07.1714

Kurzbiographie

Der moldauische Fürst, Historiker, Geograph, Philosoph und Komponist Dimitrie Cantemir (1673–1723) gehörte zu den vielseitigsten Gelehrten Südosteuropas im frühen 18. Jahrhundert. Durch seine Ausbildung und seine langjährigen Aufenthalte in Konstantinopel war er sowohl mit der griechisch-lateinischen Gelehrsamkeit als auch mit der osmanischen Geschichte und Kultur vertraut. In seinen historischen, geographischen, philosophischen und musiktheoretischen Schriften führte er unterschiedliche Wissensbestände und gelehrte Traditionen zusammen.

Einen besonderen Stellenwert besitzt die zwischen 1714 und 1716 von ihm verfasste Descriptio Moldaviae. Das Werk behandelt die Geographie und Geschichte der Moldau ebenso wie ihre politische und kirchliche Ordnung, ihre Sprache, Bevölkerung und Gebräuche. Die Schrift gehört zu den frühen umfassenden Darstellungen der Moldau aus der Feder eines einheimischen Gelehrten. Das spätere Hronicul vechimei a romano-moldo-vlahilor ging aus dem lateinischen Entwurf Historia Moldo-Vlachica hervor, den Cantemir selbst ins Rumänische übertrug und dabei beträchtlich bearbeitete und erweiterte. Diese Schrift behandelte die Herkunft und frühe Geschichte der Rumänen über die Moldau hinaus und bezog auch die Walachei und Siebenbürgen ein.

1714 wurde Cantemir zum auswärtigen Mitglied der Königlich Preußischen Societät der Wissenschaften gewählt. Die Verbindung kam durch den Diplomaten und Gelehrten Heinrich von Huyssen zustande und wurde insbesondere von Daniel Ernst Jablonski und Johann Theodor Jablonski unterstützt. Die Societät war an Cantemirs Kenntnissen des Osmanischen Reiches sowie an zuverlässigen Nachrichten über die Moldau und die Walachei interessiert. Ihre wiederholten Anregungen, über sein Land und dessen Bevölkerung zu berichten, standen in engem Zusammenhang mit der Entstehung der Descriptio Moldaviae, auch wenn sich ein förmlicher Auftrag der Akademie nicht zweifelsfrei belegen lässt.

Cantemirs Mitgliedschaft steht damit in besonderer Weise für die von Gottfried Wilhelm Leibniz geprägte Öffnung der Akademie zu den Wissensräumen Ost- und Südosteuropas und für einen frühen europäischen Wissens- und Kulturtransfer über politische, sprachliche und konfessionelle Grenzen hinweg.

Normdaten

GND:
118518879 
Dimitrie Cantemir