Träger der Leibniz-Medaille

© Wiebke Peitz, Charite - Universitätsmedizin Berlin
© Viet Nguyen-Kim

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. Christian Drosten und Dr. Mai Thi Nguyen-Kim

für ihre Verdienste in der Wissenschaftskommunikation im Allgemeinen sowie in der Covid-19-Pandemie im Besonderen.


Der Virologe Christian Drosten hat bei der COVID-19-Pandemie Außergewöhnliches geleistet, nicht nur als Virologe (der weltweit verwendete PT-PCR-Test für das neuartige Corona-Virus SARS-CoV-2 kommt aus seinem Labor), sondern insbesondere in der Wissenschaftskommunikation, Politikberatung und Bevölkerungsberatung. In beispielloser Weise ist es ihm mit seinem NDR-Podcast, Zeitungsartikeln und auch Fernsehauftritten gelungen, nicht nur die Wissenschaft hinter der Covid-19-Forschung profunde zu erklären, sondern auch die wissenschaftliche Vorgehensweise sichtbar werden zu lassen. Er hat großen Mut und großes Stehvermögen bewiesen, als er von Covid19-Leugnern angefeindet und persönlich bedroht wurde, und die BILD-Zeitung versuchte, seine wissenschaftliche Integrität in Zweifel zu ziehen. Er ist ein Vorbild für uns alle, und die wissenschaftliche Gemeinschaft ist ihm zu höchsten Dank verpflichtet.

Christian Drosten hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die biomedizinische Forschung auf dem Gebiet von Infektionskrankheiten in der Öffentlichkeit innerhalb sehr kurzer Zeit als verlässliche Orientierung für das Management der Covid-19-Pandemie wahrgenommen wird. Er erklärt die Virusforschung einer breiten Öffentlichkeit auf ebenso anschauliche, transparente wie faktenbasierte Art und Weise, aber eben auch wie Wissenschaftler arbeiten, was wir einigermaßen sicher wissen und welche Unsicherheiten weiterhin bestehen. Er kommuniziert die Grenzen seines eigenen Wissens und weist immer wieder darauf hin, dass es zur Wissenschaft auch gehört, diese ständig neu auszuloten und Erkenntnisse zu revidieren, neue Fragen zu stellen und evidenzbasiert neue Situationen zu beurteilen. Gerade über die sowohl kompetente wie authentische Art der Wissenschaftskommunikation erreicht Drosten, dass die Akzeptanz und auch das Vertrauen bei einer großen Zahl an Menschen (und auch in der deutschen Politik) in eine wissenschaftliche Ist-Analyse als wichtiges Beratungs¬instrumentarium gewachsen sind.

Die DFG und der Stifterverband, die ihn mit einem „Sonder“-Communicator-Preis 2020 ausgezeichnet haben, hoben hervor, welchen Beitrag die Wissenschaft für Politik und Gesellschaft durch gute Kommunikation auch im Fall einer akuten Krise leisten kann.

Christian Drosten war zunächst seit 2000 in verschiedenen Positionen am Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg tätig. 2007 wurde er Professor und Leiter des Instituts für Virologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, bevor er 2017 als Direktor des Instituts für Virologie an die Charité – Universitätsmedizin Berlin wechselte. Seit 2013 ist er Sprecher des gerade auslaufenden DFG-Schwerpunktprogramms 1596 „Ecology and Species Barriers in Emerging Viral Diseases“ und Antragsteller einer Reihe weiterer mit Drittmitteln geförderten Forschungsprojekte. 2005 erhielt Christian Drosten das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2020 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Von 2005 bis 2010 war er Mitglied der Jungen Akademie an der BBAW und der Leopoldina. Seine Forschungsergebnisse haben bahnbrechende Beiträge zur Virusforschung geleistet und werden weltweit zitiert und rezipiert. Er ist mit über 400 Publikation darüber hinaus ein überaus produktiver, immer auf Qualität und Originalität bedachter Wissenschaftler.


Die Chemikerin und freie Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim betreibt den YouTube-Kanal „maiLab “, mit dem sie ein junges und nicht wissenschaftsnahes Publikum erreicht. Sie ist eine ganz besondere Förderin der Wissenschaften, in dem sie auf eine jugendlich-erfrischende Art erklärt, wie Wissenschaft funktioniert, und wie diese mit essentiellen Unsicherheiten umgeht. Ein besonders gelungenes und eindrucksvolles Beispiel ist ihr Video zum Thema Glyphosat , das nahezu eine halbe Million Menschen angesehen haben.

Ihre große Stunde kam jedoch mit der Covid-19-Pandemie. Anfang April 2020 erreichte maiLab mit einem Video zur Corona-Pandemie  innerhalb von vier Tagen mehr als 4 Millionen Aufrufe. Zum gleichen Thema sprach sie im April einen Tagesthemen-Kommentar. Mitte April analysierte sie in einem weiteren Video „What“  die Kommunikation dreier bekannter Virologen, darunter Christian Drosten. Die Kampagne der BILD-Zeitung zum Thema Schulschließung nahm sie in dem Video „BILD-UNG“  auseinander.

Mai Thi Nguyen-Kim studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Chemie. Anschließend promovierte sie an der RWTH Aachen und an der Harvard University, wo sie an intelligenten Materialien für medizinische Anwendungen forschte. Für Terra X, Lesch & Co. arbeitet sie als Autorin und Moderatorin und schließt sich dieses Jahr dem Moderationsteam bei Quarks und Planet Wissen an. Mit dem Ziel, junge Menschen – und vor allem junge Mädchen – für Naturwissenschaften zu begeistern, betreibt sie die YouTube-Kanäle „maiLab“ und „The Secret Life Of Scientists“. Der Großteil ihrer Videos entsteht in Eigenproduktion – von der Recherche bis zum Schnitt. Ihr Video „Trust me I’m a scientist” wurde 2016 im „Fast Forward Science“-Wettbewerb mit dem 1. Platz in der Kategorie „Scitainment“ ausgezeichnet. Sie ist Autorin des erfolgreichen Buches „Komisch, alles chemisch“.
Mai Thi Nguyen-Kim ist Dozentin am Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation und gehört seit Juni 2020 dem Senat der Max-Planck-Gesellschaft an.

© Foto: zweifrauwerk //

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. Dr. h. c. mult Peter Frankenberg und 
Professor Dr. Dr. h. c. mult. Jürgen Zöllner

in Anerkennung ihres herausragenden Engagements für den Wissenschaftsstandort Deutschland.


Die Auszeichnung gründete darauf, dass es unterschiedlich leistungsfähige Bereiche/Fakultäten in unterschiedlichen Universitäten gibt, die ein wissenschaftsgeleitetes Auswahlverfahren erforderlich machen. Insbesondere die Exzellenzcluster haben die universitäre Forschungslandschaft nachhaltig geprägt und die Wissenschaft in besonderer Weise und nachhaltig gefördert, vergleichbar der Gründung des European Research Council (ERC).

In dem politischen Verfahren zwischen Bund und Ländern nach 2004, an dem viele beteiligt waren, haben Jürgen Zöllner und Peter Frankenberg sehr gut und konstruktiv im Sinne der Wissenschaft zusammengearbeitet. Dies ist eine ganz außergewöhnliche wissenschaftspolitische Leistung, die von besonderem Weitblick, besonders tiefem Verständnis von wirksamer Wissenschaftsförderung und besonderem Engagement zeugt.

Sowohl Peter Frankenberg als auch Jürgen Zöllner verdienen auch für viele andere Impulse in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik diese Auszeichnung.


Der 1947 geborene Physische Geograph Peter Frankenberg war nach Professuren in Eichstätt und Mannheim (u. a. mit beachtlichen Beiträgen auf dem Gebiet der Klimaforschung) zunächst von 1994 bis 2001 Rektor der Universität Mannheim und dann von 2001 bis 2011 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Als Rektor in Mannheim hat er eine Kampagne gestartet, das heruntergekommene Hauptgebäude (das einstige Schloss der Kurfürsten) mit bürgerschaftlichem Engagement und der Hilfe von Stiftungen zu sanieren. Auf diese Weise wurde auch die Universität wieder näher an Stadt und Region herangeführt. Selbst wenn – wie kaum anders denkbar – einzelne Akzente, die er als Minister gesetzt hat, zwischen politischen Freunden wie Gegnern umstritten waren, wird man doch beispielsweise die Fusion der Universität Karlsruhe mit dem Helmholtz-Forschungs-zentrum Technik und Umwelt zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ebenso als eindeutige Erfolgsgeschichte bezeichnen können wie die energische Profilierung der Universitäts- und Hochschullandschaft in Baden-Württemberg. Auch hier hat sein Engagement mit dem Ausscheiden aus dem Ministeramt kein Ende gefunden; gegenwärtig kümmert er sich im Rahmen der Dieter Schwarz Stiftung besonders um den Hochschulstandort Heilbronn, an dem neben der Dualen Hochschule und anderen Einrichtungen zuletzt ein wirtschaftswissenschaftlich profilierter neuer Campus der Technischen Universität München eröffnet worden ist. Peter Frankenberg ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Stiftung.


Der 1945 geborene Mediziner E. Jürgen Zöllner forschte ab 1977 als Professor für Physiologische Chemie an der Universität Mainz auf den Gebieten der Molekularbiologie und Gentechnologie, bevor er sich zunächst als Vizepräsident und dann als Präsident der Mainzer Universität zunehmend wissenschaftspolitisch engagierte. 1991 übernahm er das Amt des Bildungs- und Wissenschaftsministers in Rheinland-Pfalz und von 2006 bis 2011 war er Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin. Zudem war er von 1991 bis 2011 Mitglied des Wissenschaftsrates und mehrere Jahre Vorsitzender der Verwaltungskommission des Wissenschaftsrates. Während seiner Ministertätigkeit in Rheinland-Pfalz wandelte er im Jahr 1997 erstmals ein Uniklinikum (Mainz) in eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts um, woran sich bald auch andere Bundesländer orientierten. Ebenfalls 1997 initiierte er den Konstanzer Beschluss über länderübergreifende Vergleichsuntersuchungen zum Lern- und Leistungsstand der Schüler in Deutschland. Seitdem beteiligt sich Deutschland auch an internationalen Vergleichsstudien wie PISA. In Berlin gelang ihm 2010 eine Schulreform, die nur noch zwei Formen, nämlich Sekundarschulen und Gymnasien, vorsieht. Mit der Einrichtung der Einstein Stiftung Berlin hat Jürgen Zöllner die Wissenschaft auch in Berlin nachhaltig gefördert. Mit Peter Frankenberg verbindet Jürgen Zöllner die Fortsetzung des Engagements aus Ministertagen im Rahmen von Stiftungen. Er war Vorsitzender des Stiftungsrats des Leibniz-Institutes für Bildungsforschung, und er ist Mitglied des Beirats der Einstein Stiftung Berlin sowie Mitglied der AG Wissenschaft der Stiftung Zukunft Berlin. Seit 2012 ist er der Vorstand der Stiftung Charité und seit 2015 Vorsitzender des Kuratoriums der Freien Universität Berlin.

© Foto: Wonge Bergmann

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Traudl Herrhausen

in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Traudl Herrhausen ist Medizinerin und Philanthropin. Ihre Berufung hat sie jedoch in der aktiven und äußerst erfolgreichen Vermittlung an der Schnittstelle von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft gefunden.

Frau Herrhausen wurde im österreichischen Dornbirn geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Welthandel in Wien mit einem Abschluss als Diplom-Kauffrau. Nach verschiedenen beruflichen Zwischenstationen studierte Traudl Herrhausen Medizin in Innsbruck und Düsseldorf. Anschließend war sie unter anderem als Assistenzärztin der Chirurgie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main tätig.

Unvergessen bleibt die Ermordung ihres Ehemannes, Dr. Alfred Herrhausen, des seinerzeitigen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, durch ein Bombenattentat am 30. November 1989, das für die Bundesrepublik eine große Erschütterung, für Frau Herrhausen und ihre Familie jedoch eine persönliche Katastrophe darstellte. Die meisten Menschen hätten sich nach einem derartigen Verlust wohl ins Private zurückgezogen, Frau Herrhausen jedoch entschied sich für den gegenteiligen Weg: Sie begann, sich auf politischer Ebene zu engagieren.

Während ihrer zwölfjährigen Mitgliedschaft im Hessischen Landtag war sie als hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion unter anderem im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst tätig. Dabei beschränkte sich ihr Wirken nicht nur auf die Gestaltung politischer Entscheidungen, sondern sie unterstützte zudem deren Umsetzung im hochschulpolitischen Alltag und setzte sich aktiv für verschiedene Fachbereiche und Institute, wie beispielsweise die Informatik an der Universität Kassel, ein.

Neben ihrer politischen Laufbahn ist in besonderem Maße Traudl Herrhausens ehrenamtliches und außerordentlich vielseitiges Engagement im Bereich der Gesundheits-, Wissenschafts-, Kunst- und Kulturförderung hervorzuheben. Lassen Sie mich einige signifikante Beispiele nennen: Von 2002 bis 2009 war Traudl Herrhausen Vorsitzende des Kuratoriums des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale der Universität Karlsruhe. Zwischen 2003 und 2012 gehörte sie den Hochschulräten der Technischen Universität Darmstadt und der Medizinischen Hochschule Hannover an. Darüber hinaus war sie von 2003 bis 2018 Mitglied des Stiftungsrats des Deutschen Rheumaforschungszentrums Berlin, dessen Präsidentin sie von 2011 bis 2017 war. Zudem war sie Mitglied der Kuratorien des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung und des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main. Seit 2015 ist Frau Herrhausen Mitglied des Hochschulrats der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

Für ihre vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben wurde Traudl Herrhausen bereits mehrfach ausgezeichnet: So erhielt sie unter anderem das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und den Hessischen Verdienstorden. 2014 wurde ihr die Kussmaul-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e. V. verliehen.

Über ihr intensives, vielseitiges und herausragendes persönliches Engagement hinaus ist Traudl Herrhausen auch menschlich eine herausragende Persönlichkeit. Dank ihrer Professionalität, ihrer humorvollen Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit gelingt es Frau Herrhausen immer wieder, unterschiedlichste Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonders hervorgehoben wird von allen, die mit ihr zu tun hatten, ihr ganz individuell geprägter Einsatz, ihre sehr persönliche Art und nicht zuletzt auch der nachhaltige Erfolg ihrer Bemühungen. Neben ihrer Überzeugungskraft halfen Frau Herrhausen dabei auch ihr interdisziplinärer Hintergrund sowie ihr unvoreingenommenes Interesse an wissenschaftlichen Diskursen und ihr weitgespanntes Netzwerk.

Nur wenigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist es wie Traudl Herrhausen gelungen, derart produktiv zwischen verschiedenen Disziplinen und gesellschaftlichen Instanzen zu vermitteln und die Aufmerksamkeit auf Bildung und Forschung zu lenken.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Traudl Herrhausen ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie eine herausragende Persönlichkeit, die mit ihrem persönlichen und dabei ehrenamtlichen Einsatz in eindrucksvoller Weise gezeigt hat, wie viel ein einzelner Mensch mit Leidenschaft, Phantasie und festem Willen auf verschiedenen Ebenen in der Wissenschafts- und Hochschulförderung zu erreichen vermag.

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© Foto: Heimo Aga

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. iur. Dr. h. c. mult. Helga Nowotny

in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Helga Nowotny ist eine der großen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftspolitikerinnen und Intellektuellen unserer Zeit. Sie demonstriert mit ihrem Lebenswerk, dass es möglich ist, Spitzenleistungen in der Wissenschaft mit einem aktiven und sehr erfolgreichen Wirken in Wissenschaftsorganisationen und in der Wissenschaftspolitik zu verbinden.

Helga Nowotny wurde 1937 in Wien geboren, 1959 wurde sie in Rechtswissenschaft an der Universität Wien promoviert und war zunächst Hochschulassistentin am dortigen Institut für Kriminologie, bevor sie an die Columbia University nach New York ging, wo sie 1969 einen Ph.D. in Soziologie erwarb. Ihre wissenschaftliche Laufbahn führte sie 1980 mit der Habilitation im Fach Soziologie an der Universität Bielefeld fort. Im Jahr 1982 habilitierte sich Helga Nowotny zudem an der Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Sie lehrte und forschte u. a. in Wien, Cambridge, Bielefeld, am Wissenschaftskolleg zu Berlin, in Paris und Budapest und wirkte von 1996 bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2002 an der ETH Zürich als Professorin für Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsforschung.

Helga Nowotnys Forschungsinteressen sind außerordentlich weit gefächert und führten sie von der Makrosoziologie bis hin zur Wissenschaftsforschung. Seit den 1990er Jahren hat sie sich vor allem der sozialwissenschaftlich orientierten Wissenschaftsforschung (Science and Technology Studies) zugewandt und dieses neu entstehende Feld mit bahnbrechenden, international vielfältig rezipierten Publikationen stark bestimmt.

Über ihre Forschungstätigkeit hinaus ist Helga Nowotny aber auch eine profilierte Wissenschaftsorganisatorin und Wissenschaftspolitikerin: So war und ist sie Vorsitzende und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Beratungsgremien und Beiräte von Forschungsinstitutionen in verschiedenen Ländern Europas. Ihren besonderen Einfluss machte sie jedoch auf europäischer Ebene geltend. Von 2001 bis 2005 war sie die Vorsitzende des European Research Advisory Board der Europäischen Kommission. Seit 2007 gehörte sie als Gründungsmitglied zur Leitung des European Research Council – zunächst als Vizepräsidentin, schließlich bis 2013 als dessen Präsidentin. Gerade in ihren Anfängen hat Helga Nowotny diese neue Institution stark mitgeprägt. Derzeit ist Helga Nowotny unter anderem Vorsitzende des ERA Council Forum Austria und Mitglied des Österreichischen Rates für Forschung und Technologieentwicklung.

Helga Nowotny wurde bislang mit sieben Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. Sie ist Auswärtiges Mitglied mehrerer Akademien. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt sie unter anderem den prestigeträchtigen John Desmond Bernal Prize für ihr Lebenswerk in der Wissenschaftsforschung.

In ihren bisherigen Positionen hat Helga Nowotny häufig eine Schlüsselposition im Überlappungsgebiet zwischen Wissenschaft und Politik wahrgenommen. Mit ihrem besonderen Gespür hat sie nicht nur in der Wissenschaftspolitik großen Einfluss genommen, sondern sich gleichzeitig auch immer zuverlässig für die Selbstregulierungskraft der Wissenschaft eingesetzt. Helga Nowotny hat insbesondere dazu beigetragen, die zwischenstaatliche Vernetzung der Wissenschaften mit der Idee der europäischen Integration zu verbinden. Sie hat bewusst grenzüberschreitend gewirkt, nicht nur in Europa, sondern auch darüber hinaus.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Professor Dr. Helga Nowotny die Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie eine herausragende Wissenschaftlerin und Wissenschaftspolitikerin, die mit außergewöhnlichem Engagement zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft vermittelt und dabei auch immer die europäische Zusammenarbeit im Blick hat. <style type="text/css">&amp;amp;lt;!-- /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:&quot;&quot;; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:&quot;Times New Roman&quot;; mso-fareast-font-family:&quot;Times New Roman&quot;;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} --&amp;amp;gt; </style>

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an 

Dr. rer. pol. Walter Wübben

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Von Walter Wübbens Interesse, sich in den Bereichen Soziales, Kultur und Wissenschaft zu engagieren, profitieren viele, ganz besonders aber Berlin. Nach seinem Rückzug aus der Damp Holding in Schleswig-Holstein im Jahr 2011 entschloss er sich, sein Engagement als Mäzen und Stifter weitreichend zu intensivieren. So gründete er im Jahr 2012 die Damp-Stiftung mit Sitz in Kiel. Diese Stiftung fördert medizinische Forschung und Lehre, soziale Projekte an und mit Bezug zu den Standorten der früheren Damp-Gruppe sowie die Ausbildung von medizinischen Nachwuchskräften in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Mit der Gründung der gemeinnützigen Wübben-Stiftung hat Walter Wübben sein Engagement als Stifter noch vertieft. Das Ziel der Stiftung ist es, benachteiligte Kinder und Jugendliche zu fördern, um sie so bei der Bewältigung der Anforderungen von Schule, Beruf und Alltag zu unterstützen.

Für den Wissenschaftsstandort Berlin und die Einstein Stiftung Berlin im Besonderen ist Walter Wübben ein Glücksfall. Um das Außergewöhnliche daran zu erklären, muss ich ein wenig ausholen: Im Jahr 2009 hat das Land Berlin die Einstein Stiftung mit dem Ziel gegründet, Wissenschaft und Forschung in der Hauptstadt auf internationalem Spitzenniveau zu fördern und das Land dauerhaft als attraktiven Wissenschaftsstandort zu etablieren. Die großartige Idee dazu hatte der seinerzeitige Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner. Gegen einige Widerstände gelang es ihm, die Idee umzusetzen und die Stiftungstätigkeit auf den Weg zu bringen.

Im Rahmen der Haushaltsverhandlungen des nachfolgenden Senats im Jahr 2013 sollten dann die Fördermittel jedoch so stark gekürzt werden, dass der Abbruch der meisten bereits geförderten Projekte bevorstand. Dies hätte de facto das Ende der Einstein Stiftung bedeutet. In diesem Augenblick höchster Gefahr für die Einstein Stiftung meldete sich Walter Wübben bei dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Stiftung. Ich zitiere aus Herrn Wübens E-Mail vom 3. September 2013:

„Ich beziehe mich auf Ihren Artikel in der FAZ vom 28. August zur Situation der Einstein Stiftung.
Ich selbst bin Unternehmer, habe im letzten Jahr meinen Klinikkonzern Damp veraeussert und die Wuebben-Stiftung gGmbH gegruendet. Die Ziele Ihrer Einstein Stiftung halte ich fuer besonders foerderungswuerdig, so dass ich mich gerne mit Ihnen als VV der Stiftung ueber einen finanziellen Beitrag zur Loesung der aktuellen Probleme unterhalten moechte. Ich bitte um Entschuldigung fuer die unkonventionell direkte Form der Kontaktaufnahme, wuerde mich aber ueber einen Termin mit Ihnen sehr freuen und erwarte hierzu gerne Ihren Vorschlag.“

Derartige E-Mails bekommt man selten, und dieses entschlossene Eingreifen hatte weitreichende und sehr positive Konsequenzen. Nach nur zwei Treffen sagte Walter Wübben zu, die Einstein Stiftung jährlich mit einer erheblichen Summe zu fördern. Er war speziell an der internationalen Verflechtung der Berliner Spitzenforschung interessiert und hat insbesondere das Programm Einstein Visiting Fellows, aber auch die Einstein-Professuren nachhaltig unterstützt. Seither haben eine Vielzahl glänzender Forscherinnen und Forscher die hiesige Wissenschaftslandschaft bereichert.

Mit der Zusage von Walter Wübben im Rücken, konnten die Verhandlungen mit der Politik erneut aufgenommen werden. Er hat selbst mit zuständigen Politikern in Berlin mehrfach gesprochen und sich persönlich aktiv in die Diskussionen eingebracht. Dank seiner Initiative nahm die Berliner Politik die Budgetkürzungen teilweise zurück. Durch diesen, von privater Seite angestoßenen „neuen Aufbruch“ hat sich die Einstellung vieler Berliner Politiker, aber auch Wissenschaftler, die der Einstein Stiftung zunächst eher reserviert gegenüberstanden, nachhaltig und sichtbar geändert. Die Stiftung hat sich heute als ein von allen Beteiligten hochgeschätztes Instrument der Spitzenförderung etabliert und spielt eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die weltweite Sichtbarkeit des Wissenschaftsstandortes Berlin. Auf Walter Wübbens Initiative hin stellt Berlin der Einstein Stiftung inzwischen sogar Matching-Funds für private Fördermittel bereit.

Ich könnte noch weitere Beispiele des segensreichen Wirkens von Walter Wübben nennen, unterlasse dies aber, weil ich weiß, dass er einer von denen ist, die Gutes tun, aber eigentlich nicht möchten, dass man viel darüber redet.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften lässt es sich nicht nehmen, Dr. Walter Wübben ihre Leibniz-Medaille zu verleihen, mit der sie dessen in mannigfaltiger Hinsicht außergewöhnliches und sehr erfolgreiches Engagement als Stifter und Förderer der Wissenschaft insgesamt, besonders aber auch hier in Berlin würdigt. <style type="text/css">&amp;amp;lt;!-- /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:&quot;&quot;; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:&quot;Times New Roman&quot;; mso-fareast-font-family:&quot;Times New Roman&quot;;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} --&amp;amp;gt; </style>

© Foto: Hector Stiftungen

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

das Ehepaar Senator e. h. Dr. h. c. Hans-Werner Hector und Josephine Hector

in Ankerkennung ihres außerordentlichen und erfolgreichen Engagement als Förderer von wissenschaftlicher Forschung und Bildung im Allgemeinen und von Spitzenforschung und Lehre an den Universitäten im Besonderen.


Hans-Werner Hector, der 1940 in Kaiserslautern geboren wurde, ist Diplom-Mathematiker und gehört zu den Gründern des Software-Unternehmens SAP, dessen Vorstand er auch lange Jahre angehörte. Damit zählt er zu den großen Pionieren der elektronischen Datenverarbeitung. Die 1972 gegründete SAP ist die einzige deutsche Firma, die in diesem Bereich zu den Weltmarktführern gehört.

Doch mit seiner unternehmerischen Leistung allein hat sich Hans-Werner Hector nicht begnügt, denn es war ihm stets ein wichtiges Anliegen, von seinem persönlichen Erfolg auch etwas an die Gesellschaft zurückzugeben: Und so hat er gemeinsam mit seiner Frau Josephine Teile seines erworbenen Vermögens in verschiedene Stiftungen eingebracht. Neben der Unterstützung im sozialen Bereich erstreckt sich das philanthropische Engagement der im Jahre 1995 gegründeten gemeinnützigen H.W. & J. Hector Stiftung auf ein breites Spektrum nachhaltiger und innovativer Initiativen im Bereich von Wissenschaft, Bildung und Kunst. Ergänzend erfolgte 2008 die Gründung der Hector Stiftung II, die ihrerseits größer dimensionierte Projekte unterstützt und befördert.

Die bildungs- und forschungsfördernden Programme der Stiftungen richten sich vor allem auf die Förderung hochbegabter Gymnasiastinnen und Gymnasiasten (die sog. „Hectorianer“) sowie auf interdisziplinäre Projekte mit besonderem Schwerpunkt im Bereich von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den sog. MINT-Fächern. Durch Projektförderungen und Forschungspreise wird darüber hinaus auch die Krebs- und Aids-Grundlagenforschung finanziert und unterstützt.

Mit ihren Stiftungen engagieren sich Josephine und Hans-Werner Hector mit einer Vielzahl von Aktivitäten und Projekten für die Förderung von Bildung und Wissenschaft: So wird mit den Hector Kinderakademien unter der Trägerschaft des Kultusministeriums in Baden-Württemberg das Ziel einer ganzheitlichen Begabtenförderung für Grundschulkinder verfolgt, und das Hector Seminar fördert seinerseits hochbegabte Schülerinnen und Schüler in den MINT-Fächern.

Mit dem seit 2009 verliehenen Hector Wissenschaftspreis werden Professorinnen und Professoren deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen, die in den MINT-Fächern sowie in Medizin und Psychologie tätig sind, für ihre herausragenden Forschungsleistungen und ihr besonderes Engagement in der Lehre und in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ausgezeichnet. Zum Hector Fellow ernannt, wirken sie alsdann als Mitglieder aktiv in der 2013 ins Leben gerufenen Hector Academy mit. Durch die Vernetzung dieser herausragenden Forscher über Institutionen und Fächergrenzen hinweg werden neue wissenschaftliche Fragestellungen angestoßen, Impulse für Innovationen gesetzt und zukunftsweisende gesellschaftspolitische Diskurse initiiert.

Mit jährlich mehreren Promotionsstellen, auf die sich internationale Nachwuchswissenschaftler der MINT-Fächer mit einem selbst entwickelten Forschungsprojekt bewerben können, leistet die Stiftung überdies einen herausragenden Beitrag zur Förderung der Spitzenforschung an Universitäten.

Erwähnt werden sollte auch das jährliche Engagement der Hector Stiftungen für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in maßgeblicher Höhe sowie die Unterstützung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar.

In den vergangenen Jahren sind Hans-Werner Hector, der auch Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Karlsruhe ist, und seine Frau Josephine in Würdigung ihrer zahlreichen Verdienste mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande (2003), der Ehrenbürgerschaft der Stadt Weinheim (2011) und mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (2013). <style type="text/css">&amp;amp;lt;!-- /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:&quot;&quot;; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:&quot;Times New Roman&quot;; mso-fareast-font-family:&quot;Times New Roman&quot;;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} --&amp;amp;gt; </style>

© Foto: Boehringer Ingelheim

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. Dr. Andreas Barner

in Anerkennung seiner herausragenden Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Andreas Barner hat unbestritten eine hohe und lange Affinität zur Wissenschaft und ist gleichzeitig langjähriger Leiter eines forschenden Unternehmens, der bereits seit vielen Jahren äußerst erfolgreich und in vorbildlicher Weise zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vermittelt.

Andreas Barner wurde 1953 in Freiburg im Breisgau geboren. Er studierte Medizin an der Universität Freiburg sowie Mathematik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. In beiden Fächern wurde er promoviert, und zwar 1983 in Mathematik zur Frage der „Globalen Symmetrie von stochastischen Teilchen-Bewegungen mit lokal symmetrischer Interaktion“ und 1985 in Medizin mit einer Arbeit über „Das Plattenepithelkarzinom des Ösophagus“. Nach einer Assistentenzeit an der ETH Zürich wechselte er zur damaligen Ciba-Geigy AG nach Basel, wo er zuletzt das Entwicklungsgebiet Entzündung/ Knochen- und Allergiekrankheiten leitete. 1992 trat er in das traditionsreiche Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim GmbH ein und wurde dort 1999 Mitglied, 2009 Sprecher und 2012 Vorsitzender der Unternehmensleitung. Dabei oblag ihm die Verantwortung des Unternehmensbereichs Personal und Pharma-Forschung, Entwicklung und Medizin. Zum 30. Juni 2016 wird er aus dieser Funktion ausscheiden und in den Gesellschafterausschuss von Boehringer wechseln.

Andreas Barner ist gleichermaßen in der Wirtschaft wie in der Wissenschaft beheimatet, und er gehört zahlreichen Wissenschafts- und Wirtschaftsgremien an: So wurde er 2007 zum Mitglied des Wissenschaftsrates berufen, und er war auch langjähriges Mitglied des Senats der Helmholtz-Gemeinschaft. Seit 2013 ist Andreas Barner Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Des Weiteren ist er u.a. Präsidialmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und Mitglied des Kuratoriums des Fonds der Chemischen Industrie. Darüber hinaus ist er Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, deren Senat und Verwaltungsrat er ebenfalls angehört, langjähriges Mitglied des Senats der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und Mitglied des Präsidiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er ist Vorsitzender des Hochschulrates der Universität Mainz und wurde im vergangenen Jahr auch zum Vorsitzenden des Universitätsrates seiner Alma Mater Freiburg gewählt. Seit dem Frühjahr 2015 ist Andreas Barner außerdem, gemeinsam mit dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, Vorsitzender des Hightech-Forums, d.h. des neuen Beratungsgremiums zur Umsetzung der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

In diesen Positionen ist Andreas Barner seit langen Jahren jedoch nicht nur ein ausgewiesener Mittler zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, sondern er sieht auch den Dialog mit der Gesellschaft über Fragen der Ethik von Forschung und Industrie, des nachhaltigen Wirtschaftens und der Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung als dauerhaft wichtig an. Sein langjähriges persönliches Engagement manifestierte sich u.a. in seiner Präsidentschaft beim 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart, dessen Präsidium er ebenso wie dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland angehört.

Im Rahmen seiner vielfältigen Tätigkeiten eröffnete Andreas Barner neue Perspektiven und setzte bundesweit Akzente für Entwicklungsprozesse in Wissenschaft und Bildung. Er ist zutiefst davon überzeugt, dass Wissenschaft, Forschung und Bildung für das Fortkommen unserer Gesellschaft essentiell sind. Getragen von den Menschen sind sie Garanten für die Lebens- und Zukunftsfähigkeit einer selbständigen, selbstbestimmten Gesellschaft.

Andreas Barners zahlreiche Verdienste um die Förderung von Forschungsstandorten in Deutschland sind 2009 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Mainz und 2011 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt worden. 2008 wurde ihm der Titel des Professors durch den österreichischen Bundespräsidenten verliehen.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Professor Andreas Barner ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie dessen außerordentliches und erfolgreiches Engagement als Mittler zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. <style type="text/css">&amp;amp;lt;!-- /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:&quot;&quot;; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:&quot;Times New Roman&quot;; mso-fareast-font-family:&quot;Times New Roman&quot;;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} --&amp;amp;gt; </style>

© Foto: Ingrid von Kruse/MPG

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. iur. Dr. h. c. mult. Hans F. Zacher  (†)

in Anerkennung seiner herausragenden Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Hans Zacher wurde 1928 im niederbayerischen Erlach am Inn geboren. Er studierte Rechtswissenschaft in Bamberg, Erlangen und München, wo er 1952 promoviert wurde. Von 1955 bis 1963 war er am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, am Bundesverfassungsgericht und in der bayerischen Verwaltung tätig. 1962 habilitierte er sich in München. Nach einem Ruf an die Universität des Saarlandes (1963), wechselte er 1971 auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht der Universität München. 1980 wurde er zum Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik berufen.

Als einer der führenden deutschen Rechtsgelehrten hat Hans Zacher das Sozialrecht und die Sozialpolitik in ihrer wissenschaftlichen wie praktischen Bedeutung maßgeblich geprägt und seiner Disziplin neue Horizonte eröffnet.

Hans Zachers von 1990 bis 1996 währende Amtszeit als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft stand ganz im Zeichen der Wiedervereinigung sowie der Neustrukturierung und Gestaltung hin zu einer international wettbewerbsfähigen, einheitlichen deutschen Forschungslandschaft. Er selbst betrachtete dies als „Herausforderung und Chance zugleich“, als Gelegenheit für die Max-Planck-Gesellschaft, neue Initiativen zu ergreifen, um die Grundlagenforschung in Deutschland wesentlich weiterzuentwickeln.

Hans Zacher hat nicht sofort mit voller Begeisterung auf die von vielen erwartete Übernahme ehemaliger Akademieinstitute reagiert. Stattdessen hat er – unter Erhalt der Qualitätskriterien der Max-Planck-Gesellschaft – nach Wegen gesucht, gleichwohl einen nachhaltigen Beitrag zur Neugestaltung des Wissenschaftssystems zu leisten: Mit einem Sofortprogramm errichtete die Max-Planck-Gesellschaft unter seiner Führung und der tatkräftigen Mitgestaltung ihres Generalsekretärs Wolfgang Hasenclever 27 Arbeitsgruppen an ostdeutschen Universitäten, die wesentlich zur Neubelebung der Forschung in den neuen Ländern beitrugen. Fernerhin gründete sie zwei befristete Außenstellen von bestehenden Max-Planck-Instituten und nahm sieben geisteswissenschaftliche Forschungsschwerpunkte befristet in ihre Betreuung.

Die Gründung neuer Max-Planck-Institute dagegen erforderte Zeit und Mittel. Eine Übernahme von Forschungseinrichtungen der DDR konnte nur erfolgen, wenn das Niveau den Anforderungen international anerkannter Spitzenforschung entsprach. So konnten bis 1998 nicht weniger als 18 neue Institute aufgebaut werden, die alsbald weltweite Anerkennung fanden. Der breite Aufwuchs in den östlichen Bundesländern war hingegen begleitet von dem Zwang zu Einsparungen im Westen. Ganze Abteilungen mussten geschlossen, auf Berufungen musste verzichtet werden, und Neubauten wurden jahrelang nur im Osten errichtet. Innerhalb weniger Jahre waren elf Prozent der Planstellen der Max-Planck-Gesellschaft im Westen – insgesamt 740 Stellen – einzusparen, und Hans Zacher gelang es, die Unterstützung der Gremien und Mitglieder der Max-Planck-Gesellschaft für diesen Kurs zu gewinnen.

Hans Zachers besonnener, weitsichtiger Führung und Gestaltungskraft ist es zu verdanken, dass die Max-Planck-Gesellschaft an einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Forschungssystems einen bleibenden Beitrag zu dessen Erweiterung und Erneuerung leisten konnte. Nicht nur die zahlreichen neuerrichteten naturwissenschaftlichen Institute sind dabei hervorzuheben, sondern auch die geisteswissenschaftlichen Zentren, deren zeitweilige Betreuung durch die Max-Planck-Gesellschaft auch dieser selbst wichtige neue Impulse gab. Nicht zuletzt gelang es in jenen Jahren, neue Formen der Zusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft mit den Universitäten zu erproben und einzurichten in der Erkenntnis, dass Spitzenforschung ohne Anschluss an die Universität oft nicht in der Lage ist, die für Höchstleistungen notwendige kritische Masse zu erreichen.

Hans F. Zacher ist am 18. Februar 2015 in Starnberg verstorben. Die Nachricht von der Entscheidung der Akademie, ihn in Würdigung seiner Leistungen mit der Leibniz-Medaille auszuzeichnen, konnte er Ende vergangenen Jahres noch mit Freude zur Kenntnis nehmen. <style type="text/css">&amp;amp;lt;!-- /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:&quot;&quot;; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:&quot;Times New Roman&quot;; mso-fareast-font-family:&quot;Times New Roman&quot;;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} --&amp;amp;gt; </style>

© Foto: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. Dr. h. c. mult. Paul Raabe

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Als leidenschaftlicher Bibliothekar, namhafter Forscher, Publizist und erfolgreicher Kulturmanager kann Paul Raabe auf ein beeindruckendes Lebenswerk verweisen, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Besonders hervorzuheben sind seine Verdienste beim Aufbau der Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar, bei der Leitung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) sowie sein Einsatz als Projektleiter für das geistes- und kulturwissenschaftliche Langzeitvorhaben „Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen – Goedekes Grundriss“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Paul Raabe, 1927 geboren in Oldenburg, hat eine Ausbildung zum Diplombibliothekar absolviert, Germanistik und Geschichte an der Universität Hamburg studiert, um sich schließlich 1967 in Göttingen zu habilitieren. Seine Bibliographie ist eindrucksvoll, von seinem germanistischen Œuvre zeugen vielbeachtete Bücher, Ausstellungskataloge, Zeitungsartikel und wissenschaftliche Aufsätze. Er veröffentlichte zahlreiche Werke zur Buch-, Bibliotheks- und Quellengeschichte, zur Literatur des Expressionismus, der Aufklärung und zur Weimarer Klassik. Von besonderem Reiz sind seine literarischen Reiseführer durch Orte Deutschlands.

In den Jahren von 1958 bis 1968 baute Paul Raabe die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach auf, die er ein Jahrzehnt lang leitete. Dank seiner organisatorischen Aufbauarbeit gilt Marbach heute als das wohl wichtigste Literaturarchiv Deutschlands. Sein wissenschaftliches Interesse richtete sich in dieser Zeit vor allem auf die Erforschung des literarischen Expressionismus, der von den Nazis als entartete Kunst diffamiert worden war. 1968 wurde Paul Raabe die Leitung der traditionsreichen Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel übertragen, welche unter seiner Führung zu einer modernen, international anerkannten Studien- und Forschungsstätte für das Mittelalter und die frühe Neuzeit ausgebaut und für die Forschung geöffnet wurde, um heute zu den größten geisteswissenschaftlichen Einrichtungen in Europa zu gehören. Von Wolfenbüttel aus ging Paul Raabe 1992 als Direktor an die Franckeschen Stiftungen nach Halle (Saale) und wurde Mitglied des Stiftungsrats der Klassik Stiftung Weimar und des Kuratoriums Weimar Kulturhauptstadt Europas 1999. Nach seinem Ausscheiden aus dem Direktorenamt im Jahre 2000 wurde er in der Nachfolge Hans-Dietrich Genschers Vorsitzender des Kuratoriums der von August Hermann Francke 1695 als pietistisches Sozial- und Bildungswerk gegründeten Franckeschen Stiftungen, deren Rettung und Wiederaufbau nach 1990 aufs Engste mit seinem Namen verbunden sind.

Paul Raabes Lebenswerk erfuhr ab 1990 eine breite öffentliche Würdigung durch hochrangige staatliche und wissenschaftliche Auszeichnungen, darunter das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, die Niedersächsische Landesmedaille, der Sächsische und der Thüringer Verdienstorden sowie der Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt. Er wurde u.a. mit dem Karl-Friedrich-Schinkel-Ring des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz und mit dem Deutschen Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen geehrt. Darüber hinaus wurden ihm die Ehrendoktorwürden der Universität Krakau, der Technischen Universität Braunschweig sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zuteil. Er ist Ehrenbürger von Wolfenbüttel und Halle (Saale).

Mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ist Paul Raabe durch das Akademienvorhaben „Goedekes Grundriss“ seit langen Jahren eng verbunden, um das er sich bleibende Verdienste erworben hat. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung hat er als Projektleiter Verantwortung für dieses Vorhaben aus dem Erbe der Akademie der Wissenschaften der DDR übernommen und dafür Sorge getragen, dass es den Anforderungen des Akademienprogramms gerecht wurde und planmäßig mit Erfolg abgeschlossen werden kann.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Professor Paul Raabe ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie dessen eindrucksvolles Engagement und seine herausragenden Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

© Foto: Schader-Stiftung

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Alois M. Schader

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Alois Schader, 1928 geboren und von 1953 bis 1993 freiberuflich als Beratender Bauingenieur tätig, ist Stifter und Namensgeber der 1988 ins Leben gerufenen Schader-Stiftung. Im Zuge der großen Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg beriet Alois Schader insbesondere gemeinnützige Bauunternehmen hinsichtlich des sozialen Wohnungsbaus, wo er seine besonderen Kenntnisse im Bereich des wirtschaftlichen Bauens einsetzen konnte. Als Leiter interdisziplinärer Planungsteams erzielte er für seine Auftraggeber erhebliche Kosteneinsparungen bei deren Großprojekten. Bereits Anfang der 1980er Jahre konnte Alois Schader systematische Mängel in den von ihm betreuten Wohnungsbauprogrammen feststellen. Der Bedarf nach neuen Haushaltsformen und die Tendenz zu kleineren Haushalten wurden zwar von den Gesellschaftswissenschaften wahrgenommen, nicht aber von den für die Wohnungsbauprogramme zuständigen Behörden. Unter dem Eindruck dieser wechselseitigen Verständnisprobleme entschloss er sich 1988 zur Gründung einer gemeinnützigen Stiftung, deren Ziel es seitdem ist, die Praxisorientierung der Gesellschaftswissenschaften und damit zugleich die Akzeptanz der Gesellschaftswissenschaften in der Praxis zu fördern.

Angesichts der demographischen Entwicklung und den sich daraus ergebenden Folgen für den Wohnungsbau galt das besondere Interesse des Stifters zunächst dem Thema „Wohnen im Alter“. Mit dem Bundesbauministerium initiierte er ein gemeinsames und von der Schader-Stiftung finanziertes Forschungsprojekt und konnte wichtige Beiträge zur Forschung leisten.

Durch Änderung der Stiftungssatzung hat der Stifter inzwischen das Aufgaben- und Fördergebiet der Stiftung erweitert: Im Fokus ihrer Arbeit stehen nunmehr auch umfassendere Fragen zu den Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf das Leben in urbanen Gesellschaften, internationale Stadtgesellschaft, demographischer Wandel sowie Kunst und Gesellschaft, die praxisorientiert untersucht werden. Zu den von der Stiftung geförderten Projektthemen gehören u.a. der Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaft und Praxis, Wohnen in einer alternden Gesellschaft, Integration von Zuwanderern, Stadtentwicklung im Zeichen demographischen und sozialen Wandels, urbane Transformationen, Wohnungspolitik in den osteuropäischen EU-Beitrittsländern sowie die öffentliche Daseinsvorsorge.

Im Einvernehmen mit seiner Familie hat Alois Schader einen wesentlichen Teil seines Vermögens auf die Stiftung übertragen und ihr den verbleibenden Teil zur Nutzung überlassen. Der Stifter ist aktives und engagiertes Mitglied im Stiftungsvorstand und dort für die Finanzen zuständig. Öffentlich besonders sichtbar ist die jährliche Vergabe des Schader-Preises an Gesellschaftswissenschaftler, die sich um die Verständigung zwischen Theorie und Praxis verdient gemacht haben.

Die Schader-Stiftung ist eine der wenigen, aus der Mitte der Zivilgesellschaft heraus entstandenen privaten Stiftungen in Deutschland, wenn nicht die einzige, die sich speziell die Förderung der Sozialwissenschaften zum Ziel gesetzt hat. Die Stiftung ist neben vielem anderen insbesondere eine Herausforderung für die Sozialwissenschaften, ihre Fähigkeit auszubilden und nachzuweisen, auf praktische Fragen praktikable Antworten zu geben.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Alois M. Schader ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie dessen eindrucksvolle und beispielhafte, wissenschaftsfördernde private Initiative zur Gründung der Schader-Stiftung.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

das Kuratorium des Fonds der Chemischen Industrie

in Anerkennung der besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Der 1950 gegründete Fonds der Chemischen Industrie (abgekürzt: FCI) ist eine national und international einzigartige Institution zur Förderung der chemischen Grundlagenforschung und Nachwuchsförderung in der Chemie. Finanziert durch Mitgliedsbeiträge, fördert der Fonds mit vielfältigen und ineinandergreifenden Instrumenten schwerpunktmäßig die Chemieausbildung – von der Breitenförderung an Schulen bis hin zur Spitzenforschung an Hochschulen. Darüber hinaus steht die Nachwuchsförderung im Zentrum des FCI. Bemerkenswert ist dabei, dass die Förderung allein auf dem Leistungsprinzip basiert und kein Einfluss auf Forschungsthemen genommen wird. So ist sein Wirken ein hervorragendes Beispiel für Public Private Partnership zwischen Industrieforschung und akademischer Wissenschaft – eine Erfolgsgeschichte, die ganz entscheidend auch von dem hohen persönlichen Einsatz der in den Entscheidungsgremien tätigen Personen aus Industrie und Hochschulen geprägt ist.

Seit seiner Gründung agiert der Fonds als Förderwerk des Verbandes der Chemischen Industrie. Die besondere Bewährungsprobe der deutschen Wiedervereinigung konnte der FCI vor allem durch die außergewöhnliche Einsatzbereitschaft seiner Kuratoriumsmitglieder und Mitarbeiter bestehen. So wurde sofort nach dem Mauerfall mit den Vorbereitungen einer Forschungsbeihilfe für ostdeutsche Lehrende begonnen, so dass bereits im Sommer 1990 Fördermittel in erheblichem (!) Umfang bewilligt werden konnten.

Im Zuge seiner engagierten Nachwuchsförderung vergibt der FCI seit 1965 zahlreiche Stipendien, um den besten Nachwuchs im Bereich der Chemie zu fördern – darunter das Liebig-Stipendium für den Hochschullehrernachwuchs sowie Stipendien für Doktoranden und Lehramtsstudenten. Überdies lobt der FCI Preise und Auszeichnungen wie das begehrte Dozentenstipendium aus, das als eine Art von ‚Ritterschlag‘ für angehende Professorinnen und Professoren gilt.

Auf besondere Weise fördert der Fonds auch die Gemeinschaft der Forschenden und Lehrenden im akademischen Bereich: So entstanden auf Anstoß des Kuratoriums des FCI die „Steinheimer Gespräche“, eine mehrtägige Veranstaltung, welche über aktuelle Themen aus Wissenschaft und Industrie berichtet und Raum für Vorträge über wissenschaftskulturelle und -politische Fragen bietet. Unter den Teilnehmern sind Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Wissenschaft, Stipendiaten und angehende Hochschullehrer, so dass diese Gespräche den Nachwuchs aus allen Bereichen der Chemie zusammenbringt und Grundlage für viele erfolgreiche Kooperationen ist.

Im Kuratorium des FCI sind Forschungsvorstände großer Chemie-Unternehmen und führende Hochschulchemiker vereint. Es ist das Entscheidungsgremium des Fonds, das in bestimmten Fragen vom Forschungsbeirat unterstützt wird. Diese gelebte Gemeinschaft von Forschenden und Lehrenden aus dem industriellen und dem akademischen Bereich spiegelt sich auch in der Wahl des gegenwärtigen Vorsitzenden, Dr. Andreas Kreimeyer, und seines Stellvertreters, Professor François Diederich, wider.

Andreas Kreimeyer ist seit 2003 Mitglied im Vorstand der BASF SE, Sprecher der Forschung und derzeit für die Bereiche Crop Protection & Coatings, die Region Südamerika, Biological & Effect Systems Research, BASF Plant Science sowie BASF New Business verantwortlich. Unser Akademiemitglied François Diederich ist seit 1992 Ordentlicher Professor für Organische Chemie am Laboratorium für Organische Chemie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften dem Kuratorium des Fonds der Chemischen Industrie ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie dessen beispielhaftes, eindrucksvolles und nachahmenswertes Engagement und herausragende Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

© Foto: Jim Rakete

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Dr. h. c. Friede Springer

in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Friede Springer, geboren 1942 in Oldsum auf der Insel Föhr, gehört zu den großen Mäzenen und Förderern in Deutschland. Nach dem Tode ihres Ehemannes Axel Springer im Jahre 1985 hat sie dessen Förderaktivitäten nicht nur weitergeführt, sondern auch aktiv und mit großem Enthusiasmus durch eigene Schwerpunkte ergänzt: So gründete sie 2004 die Friede Springer Herz Stiftung, welche die Erforschung der Ursachen und die Entwicklung von Maßnahmen zur Verhinderung Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen gehören, fördern und damit die diagnostische und therapeutische Versorgung von Patienten verbessern sollen. Im Jahre 2010 rief sie die ebenfalls gemeinnützige Friede Springer Stiftung ins Leben und stattete diese mit einem Startkapital aus umfangreichen privaten Mitteln aus. Zweck dieser Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft, Kunst und Kultur, Erziehung, Allgemein- und Berufsbildung und anderen gemeinnützigen Zwecken, aber auch jungen Talenten.

Darüber hinaus ergreift Friede Springer auch immer wieder die Initiative, um wichtige Vorhaben privat zu fördern, ohne damit die Stiftungen zu belasten. Jüngstes Beispiel hierfür ist eine an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/ Oder eingerichtete Stiftungsprofessur zum Gedenken an Axel Springer, welche sich der kulturwissenschaftlichen Forschung und Lehre der deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte, der Literatur des Exils und der Migration im deutschsprachigen, europäischen und außereuropäischen Raum widmet.

Friede Springers Förder- und Stiftungstätigkeit konzentriert sich innerhalb eines zusammenhängenden Netzwerks verschiedener Aktivitäten auf folgende Schwerpunkte: Da ist zum einen das Engagement für Israel und die deutsch-jüdische Aussöhnung, das sich insbesondere, aber keineswegs ausschließlich in der Förderung wissenschaftlicher Einrichtungen manifestiert.

Daneben engagiert sie sich sehr für die Behandlung von Herzerkrankungen: So stiftete sie 1985 gemeinsam mit ihrem Ehemann dem Deutschen Herzzentrum Berlin ein Haus, in dem Eltern während der Operation ihrer Kinder wohnen können, und sie ist auch ein äußerst aktives Mitglied des Stiftungsrates des Deutschen Herzzentrums. Hinzu kommt Frau Springers Einsatz für die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Technischen Universität Dresden (Universitätsklinikum Carl Gustav Carus). An der Schnittstelle ihrer Aktivitäten im Bereich der Kardiologie und ihres Engagements für Israel liegt ihre Arbeit im Vorstand des Vereins Deutsch-Israelische Hilfe für krebskranke Kinder e.V., den sie vor mehr als zwanzig Jahren mitgründete.

Ein weiterer Schwerpunkt der fördernden Aktivitäten Friede Springers ist die auf Berlin und das einstige Preußen konzentrierte Tätigkeit für die Freunde und Förderer der Deutschen Staatsoper Unter den Linden (als Mitglied des erweiterten Vorstands), die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. (als Mitglied des Kuratoriums), die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin und der Verein der Freunde des Kunstgewerbemuseums Berlin – Julius-Lessing-Gesellschaft e.V.

In diesen Kontext gehört auch Frau Springers langjähriges Wirken für das Collegium pro Academia e.V., der Förderverein der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem sie seit 2004 als Vorsitzende des Vorstandes mit beispielgebendem Engagement und großem Erfolg vorsteht. Um nur ein Beispiel zu nennen: Sie hat es erreicht, dass es durch das großzügige Engagement des Collegiums und durch Privatpersonen möglich wurde, jährlich jeweils über ein Dutzend wertvoller Werke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die aufgrund ihres Zustandes nicht mehr benutzbar waren, der wissenschaftlichen Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

In der Vergangenheit wurde Friede Springer in Anerkennung ihrer Leistungen vielfach gewürdigt und ausgezeichnet, u.a. mit der Ehrendoktorwürde der israelischen Ben-Gurion University of the Negev (2002), dem Weizmann Award in the Sciences and Humanities (2003), dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland (2000) sowie dem Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin (2003). Darüber hinaus erhielt Frau Springer den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft (2005), den Verdienstorden des Landes Berlin (1988), den Bayerischen Verdienstorden (2004), die Ritterwürde der französischen Ehrenlegion (2002) sowie das Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2008).

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Frau Dr. Friede Springer ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie ihr eindrucksvolles Engagement und ihre herausragenden Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

© Foto: Jody Kingzett
© Foto: DFG

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. Dr. h. c. mult. Fotis C. Kafatos und
Professor Dr. Dr. h. c. Ernst-Ludwig Winnacker

in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Die Einrichtung des European Research Council (ERC) ist ein Meilenstein für die europäische Wissenschaft. Mit ihm wurde eine Institution zur Finanzierung von Grundlagenforschung ins Leben gerufen, die ihre Gelder nicht mehr nach regionalem Proporz, sondern ausschließlich auf der Grundlage wissenschaftlicher Qualität vergibt. Gemeinsam mit den anderen, mehr als zwanzig Gründungsmitgliedern des ERC waren Fotis C. Kafatos und Ernst-Ludwig Winnacker in entscheidender Weise an der Herbeiführung und Umsetzung des 2002 gefassten Beschlusses der EU-Präsidentschaftskonferenz zur Einrichtung des ERC beteiligt. Sie schufen somit die Voraussetzungen, die eine erfolgreiche Aufnahme der Arbeit des ERC im Jahre 2005 (die offizielle Einweihung erfolgte im Februar 2007) ermöglichten.

Fotis C. Kafatos gehörte zu den ersten Wissenschaftlern überhaupt, die eine Verbesserung des europäischen Wissenschaftssystems durch Gründung einer europäischen Förderorganisation für Grundlagenforschung anstrebten. Er war in den 1990er Jahren einer der Mitbegründer und Führungspersönlichkeiten der Initiative for Science in Europe, welche die Planung und Ausgestaltung einer europäischen Forschungsförderorganisation systematisch voranbrachte. Seine Leistung bestand vor allem darin, die wissenschaftliche Gemeinschaft Europas hinter das gemeinsame Ziel versammelt zu haben – der Prozess mündete 2002 in den Beschluss der EU-Präsidentschaftskonferenz zur Einrichtung des ERC.

Ernst-Ludwig Winnacker war während dieser Zeit Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und hat in dieser Eigenschaft die Entstehung des ERC entscheidend mit vorangetrieben und dessen Ausgestaltung geprägt. Als Präsident der größten Forschungsförderorganisation in Europa hatte Winnackers Forderung nach der Errichtung des ERC besonderes Gewicht. Es ist sein Verdienst, sich für die Durchsetzung höchster Qualitätsstandards bei den Begutachtungsverfahren für den zu gründenden ERC eingesetzt zu haben.

Fotis C. Kafatos studierte Biologie an der Cornell University und an der Harvard University (USA), wo er nach seinem Ph.D. von 1969 bis 1994 als Professor lehrte. Parallel dazu war er Professor für Biologie an den Universitäten von Athen (1972-1982) und Kreta (1982-1993), wobei er die moderne Biologie in Griechenland etablierte. Von 1993 bis 2005 leitete er als Generaldirektor das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg – das führende molekularbiologische Laboratorium in Europa, welches er auch institutionell prägte.

Seit 2005 ist Fotis Kafatos Chair in Immunogenomics am Imperial College London. Für seine Arbeiten und sein Engagement im Bereich der Wissenschaftsförderung wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil: So ist er u.a. auswärtiges Mitglied der Royal Society, London, und der Pariser Académie des sciences sowie Mitglied der National Academy of Sciences (USA) und der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Im vergangenen Jahr wurde er überdies mit der Robert-Koch-Medaille ausgezeichnet.

Auch Ernst-Ludwig Winnacker konnte im Laufe seiner Karriere sowohl im Bereich eigener Forschung – als Wegbereiter der modernen Gentechnik in Deutschland – als auch in der Wissenschaftsförderung wegweisend tätig werden.

Er studierte Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, wo er auch 1968 promoviert wurde. Postdoktorate führten ihn an die University of California, Berkeley, und an das Stockholmer Karolinska Institut. Von 1972 bis 1977 war er Assistent bzw. Gastprofessor der DFG am Institut für Genetik der Universität zu Köln. Seit 1977 ist er Professor für Biochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. In seiner Zeit als Vizepräsident (1987-1993) sowie als Präsident der DFG (1998-2006) erwies er sich als geschickter Lenker von Forschung. So initiierte und begleitete er zahlreiche zukunftsweisende Programme, wie das Emmy Noether-Nachwuchsprogramm und die Heisenberg-Professur; des weiteren stärkte er die Position der Geisteswissenschaften. Darüber hinaus machte er die DFG zu einem global player mit Vertretungen in Washington, Moskau, Peking und Neu Delhi.

Seit 2009 ist Ernst-Ludwig Winnacker Generalsekretär des Human Frontier Science Program (HFSP). Seine Verdienste wurden mit zahlreichen Ehrungen gewürdigt, unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, dem japanischen „Orden der Aufgehenden Sonne mit Goldenen Strahlen am Halsband“ sowie mit der Verdienstmedaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Er ist unter anderem Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften sowie weiterer in- und ausländischer Akademien. Vor wenigen Tagen wurde Ernst-Ludwig Winnacker die Richard-Ernst-Medaille der ETH Zürich überreicht und noch in diesem Jahr wird er die Robert-Koch-Medaille in Gold erhalten [die Preisüberreichung findet im November 2011 statt].

Nach der Errichtung des European Research Council (ERC) haben sich Fotis C. Kafatos als Gründungspräsident sowie Chairman des Scientific Council und Ernst-Ludwig Winnacker als erster Generalsekretär des ERC beide in besonderem Maße für das ERC und seinen Aufbau eingesetzt und in ihren jeweiligen Positionen gemeinsam die Herausforderungen der Anfangsjahre bewältigt. So mussten die Rahmenbedingungen des ERC sukzessive verbessert werden, wodurch eine höhere Zahl an Wissenschaftlerinnen bei den Starting Grants, eine kontinuierliche Erhöhung des ERC-Budgets und eine größere Unabhängigkeit gegenüber der EU-Bürokratie erreicht werden konnte.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Professor Fotis C. Kafatos und Professor Ernst-Ludwig Winnacker ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie deren besondere Verdienste bei der Gründung und beim Aufbau des European Research Council (ERC).

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Drs. h. c. Klaus Tschira

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Klaus Tschira wurde 1940 in Freiburg im Breisgau geboren. Er studierte Physik an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wo er 1966 auch diplomiert wurde. Zunächst als Systemberater bei IBM Deutschland tätig, gründete er 1972 gemeinsam mit vier weiteren Kollegen das heutige Software-Unternehmen SAP AG, einer der weltweit führenden Anbieter von Unternehmenssoftware und integrierten Softwarelösungen. 1998 zog er sich aus dem operativen Geschäft bei SAP zurück und wechselte für die folgenden neun Jahre in den Aufsichtsrat des Konzerns.

Bereits 1995 hatte Klaus Tschira die nach ihm benannte und in Heidelberg ansässige gemeinnützige Stiftung gegründet – eine der größten Europas, die mit privaten Mitteln ausgestattet wurde. Sein Ziel ist es, Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik sowie deren Wertschätzung in der Öffentlichkeit zu fördern. Die Ausschreibung des Klaus Tschira-Preises für verständliche Wissenschaft „KlarText!“ – seit 2008 unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft – gehörte zu seinen ersten, vielfältigen Aktivitäten als Stifter. Zudem veranstaltet die Stiftung Fortbildungskurse für Naturwissenschaftler, Mathematiker, Ingenieure und Informatiker, welche die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Öffentlichkeit fördern sollen. Weitere Schwerpunkte der Stiftungsarbeit bilden die Faszination Naturwissenschaft für Kinder und Jugendliche sowie die Forschung für die Gesellschaft. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort: Exemplarisch genannt seien die naturwissenschaftlichen Erlebnistage „Explore Science“ in Mannheim oder die „Forscherstation“ – das Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Mit Blick auf die Forschung unterstützt die Stiftung hauptsächlich von ihr selbst initiierte Vorhaben. Zu diesem Zweck initiierte Klaus Tschira 1997 das European Media Laboratory GmbH (EML), ein Unternehmen, das forschungsnahe IT-Dienstleistungen von der Auftragsforschung über die Entwicklung innovativer IT-Lösungen bis hin zu Beratung und Schulung anbietet. Unter dem Motto „Think Beyond the Limits!“ arbeiten mehr als 40 Forscher im EML an verschiedenen Projekten der angewandten Informatik. Sie entwickeln Systeme, die später als intuitiv nutzbare Wissensquellen für private Nutzer und Wissenschaftler gleichermaßen dienen sollen. Mit „Virtual Heidelberg“ sollen beispielsweise Zeitreisen in die Vergangenheit der Heidelberger Altstadt möglich werden; weitere Schwerpunkte liegen in der Bioinformatik und in mobilen Assistenzsystemen. Im Jahr 2003 schließlich wurde die gemeinnützige EML Research GmbH – seit 2010 Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) – ins Leben gerufen, in die alle diejenigen Forschungsaktivitäten des ursprünglichen EML verlagert wurden, die in Kooperation mit Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen vor allem langfristige, im Grundlagenbereich angesiedelte Ziele und Projekte verfolgen.

Darüber hinaus fördert die Klaus Tschira-Stiftung Forschung auf den entsprechenden Feldern durch klassische Instrumente wie Stiftungsprofessuren, Nachwuchsgruppen, Stipendien, Tagungen oder Laborbauten (z.B. in Gestalt des Mannheimer Klaus-Tschira-Labors für physikalische Altersbestimmung).

2008 gründete Klaus Tschira gemeinsam mit seiner Ehefrau die Gerda und Klaus Tschira-Stiftung, welche die Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte im sächsischen Großbothen weiterführt. Die Stiftung pflegt nicht nur das Gedenken an den Chemie-Nobelpreisträger durch den Aufbau eines Museums, sondern eröffnet vor allem auch jungen Menschen den Zugang zu den Naturwissenschaften – ein weiteres herausragendes Beispiel für privates Engagement in den Wissenschaften.

In Anerkennung seiner Verdienste wurde Klaus Tschira die Ehrendoktorwürde des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Klagenfurt verliehen. Er ist Mitglied in Gremien mehrerer Max-Planck-Institute sowie Ehrensenator der Universitäten Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und der PH Heidelberg. Darüber hinaus wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 1999 erhielt er den Deutschen Stifterpreis.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Dr. Klaus Tschira ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie seine großen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften – namentlich als Mäzen der wissenschaftlichen Spitzenforschung, bei der Förderung von Public Understanding of Science und ganz besonders auch bei der Gewinnung von Nachwuchs im Bereich der Naturwissenschaften, der Mathematik und Informatik.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. iur. Dr. h.c. Manfred Erhardt, Senator a.D.,

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Manfred Erhardt gehört ohne Zweifel zu der kleinen Gruppe von Persönlichkeiten, welche die deutsche Wissenschaftslandschaft in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen tief geprägt haben.

Er wurde 1939 in Stuttgart geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen und Berlin und der Promotion zum Dr. iur. arbeitete er zunächst von 1969 bis 1971 im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. Im Anschluss daran war Manfred Erhardt von 1971 bis 1982 als Ministerialbeamter im Kultus- und später im Wissenschaftsministerium seines Heimatlandes Baden-Württemberg tätig.

Nach einer Zwischenstation als Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg war er von 1984 bis 1991 schließlich Ministerialdirektor und Amtschef des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg. In dieser Funktion hat er nicht nur das exzellente Niveau der Universitäten im Südwesten durch eine kluge Berufungspolitik weiter gesteigert, sondern beispielsweise auch die Berufsakademien zu einem bundesweit beachteten Modell ausgebaut.

In den darauf folgenden Jahren als Senator für Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin (1991 bis 1996) lag die schwierige Neuordnung der Berliner Wissenschaftslandschaft nach der Wiedervereinigung in seiner Verantwortung – eine Aufgabe, die er mit der nötigen Energie, großem Geschick und insgesamt mit Bravour erfüllt hat. Es war sein erklärtes Ziel, die deutsche Hauptstadt wieder zu einem Ausbildungszentrum mit internationaler Ausstrahlung und zu einer Wissenschaftsmetropole zu machen. Die Neustrukturierung der Hochschul- und Forschungslandschaft in Berlin mit der Neukonstituierung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Neugestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin sowie auch die Errichtung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Adlershof hätten ohne ihn und sein unermüdliches Engagement nicht realisiert werden können.

Die Konstituierung unserer Akademie als eine Mitglieder aller Disziplinen aus dem gesamten Bundesgebiet umfassenden Arbeitsakademie wurde durch Manfred Erhardt nicht nur unterstützt, sondern nachhaltig befördert und „durchgekämpft“. Und er war es auch, der durch seine Verhandlungen und weitsichtigen Entscheidungen die Voraussetzungen dafür schuf, dass sich der Gendarmenmarkt, dass sich das Akademiegebäude zu einem besonderen Ort der Wissenschaft in der Stadt mit Wirkung weit über ihre Grenzen hinaus entwickeln konnte. Er hat damit der Wissenschaft, den Ländern Berlin und Brandenburg und der Akademie einen großen Dienst erwiesen.

Diese wissenschaftspolitische Leistung, seine profunden Kenntnisse im Bereich von Bildung und Wissenschaft und sein weitreichendes personelles Netzwerk in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik qualifizierten ihn in hervorragender Weise für die Übernahme des Amtes des Generalsekretärs des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Während seiner von 1996 bis 2004 währenden Amtszeit setzte Manfred Erhardt deutliche Akzente beispielsweise für die Akzeptanz der Bologna-Reform und für die sogenannte „deregulierte Hochschule“ – unter seiner Ägide wurde der Verband zu einem auch politisch höchst wirksamen Instrument der Hochschulerneuerung.

Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand ist Manfred Erhardt noch Mitglied zahlreicher Gremien und Förderkreise: So ist er beispielsweise Präsident der Deutschen Schillergesellschaft, der Trägerin des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar, er ist Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Berliner Philharmonie sowie Mitglied des Verwaltungsrates des Deutschen Museums. Darüber hinaus ist er bereits seit 1988 Honorarprofessor für Öffentliches Recht der Universität Tübingen. Auch zu grundsätzlichen und Detail-Fragen des deutschen Hochschulrechts legte Manfred Erhardt eine Reihe wichtiger Fachbeiträge vor.

Seine Leistungen sind mit zahlreichen hohen Ehrungen wie beispielsweise dem Verdienstkreuz am Bande (1989), der Verleihung des Ehrenzeichens des Commandeur de l’Ordre National du Mérite der Französischen Republik (1997), der Ehrendoktorwürde der York University Toronto/ Kanada (1999) und der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (2003) gewürdigt worden.

Manfred Erhardt ist zunächst einmal Schwabe: seine Arbeit war in allen Ämtern, die er im Verlaufe seiner Karriere bekleidete, durch höchste Präzision, größtes Engagement und energische Ausnutzung finanzieller Spielräume geprägt. In langen Jahren war er mit gewissem Stolz ein politisch unabhängiger Beamter in der Wissenschaftsverwaltung in der Tradition eines Friedrich Althoff, um dann zunehmend öffentlich sichtbar als Wissenschaftspolitiker, aber keineswegs in enger Parteilichkeit, zu agieren.

Manfred Erhardt ist ein Wissenschaftspolitiker mit Visionen im besten Sinne des Wortes. Den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat er gemeinsam mit dessen Präsidenten, Arend Oetker, zu einem (wissenschafts-)politisch agierenden Organ entwickelt und dabei eine ganze Zahl von Wettbewerben aufgelegt, um neue Ideen auch erfolgreich umzusetzen. Manfred Erhardt hat sich von einem Mitarbeiter der ministerialen Hochschulverwaltungen zu deren strengem Kritiker entwickelt. Die neuen Themen der Bildungsdebatte, wie beispielsweise die Familienfreundlichkeit der entsprechenden Einrichtungen, hat er engagiert aufgenommen und Raum für engere Kooperationen von Hochschule und Wirtschaft zu öffnen versucht.

Man nimmt es dem überzeugten Humanisten Erhardt ab, dass sein vehementes Eintreten für Bildung und Wissenschaft als marktfähige Dienstleistungen, die sich an Kundenwünschen und Bedürfnissen des Beschäftigungssystems orientieren, keine falsche Ökonomisierung der Bildungsstandards intendiert. Seine vielfältigen praktischen Schritte, die er als Ministerialbeamter, als Amtschef, Berliner Senator und schließlich als Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft unternommen hat, um Freiheit des Wettbewerbs einzuführen, zu organisieren und zu befördern, waren immer am klassischen akademischen Freiheitsideal orientiert. Nach wie vor ist er ein einflussreicher Ratgeber und prägt beispielsweise den Aufschwung der Marbacher Einrichtungen der Schillergesellschaft.

Manfred Erhardt ist eine Persönlichkeit mit festen Prinzipien insbesondere mit Blick auf die Qualität und Autonomie der Wissenschaft, die er aber nicht nur nachdrücklich, sondern auch mit Witz und Charme, beispielsweise als gelehrter und amüsanter Laudator, vertritt. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat ihm in den ersten Jahren des Aufbaus für energische Unterstützung und auch danach für manchen guten Rat zu danken.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Manfred Erhardt ihre Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, ehrt und würdigt sie sein wissenschaftspolitisches Wirken und seine großen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften in den genannten Ämtern.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Dr. h. c. Klaus J. Jacobs

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Klaus J. Jacobs ist eine beeindruckende Unternehmerpersönlichkeit und ein herausragender Mäzen der Wissenschaft und Forschung. Mit der Förderung der Jacobs University Bremen hat das wissenschaftsorientierte und philanthropische Engagement des Ehrenvorsitzenden der Jacobs Foundation 2007 vorerst einen eindrucksvollen Höhepunkt erreicht.

Klaus J. Jacobs wurde 1936 in Bremen geboren. 1958 gründete er mit Intercafé Guatemala sein erstes Unternehmen, 1961 trat Klaus J. Jacobs als Direktor Einkauf und Marketing in das traditionsreiche Familienunternehmen Johann Jacobs & Co. ein. 1972 wurde er zum Geschäftsführer der Jacobs AG berufen und baute diese nach der Verlegung des Firmensitzes in die Schweiz zum größten Kaffee- und Schokoladenunternehmen Europas aus. 1982 fusionierte die Jacobs AG mit Interfood (Suchard & Tobler) zur Jacobs Suchard AG. 1996 schuf er durch den Zusammenschluss von Adia und Ecco die Adecco, den weltgrößten Personaldienstleister. Von 1996 bis 2007 war Klaus J. Jacobs Vize-Präsident, Präsident und Geschäftsführer von Adecco; seit dem vergangenen Jahr ist er deren Ehrenpräsident. Trotz dieser hohen beruflichen Beanspruchung war Klaus J. Jacobs immer offen für gemeinnütziges Engagement und kulturelle Initiativen. 1988 gründete er die Jacobs Foundation, die unter dem Leitmotiv „Productive Youth Development“ weltweit zukunftsgerichtete Projekte zur Jugendentwicklung fördert. 2001 wurden das Jacobs Center for Productive Youth Development an der Universität Zürich und das Jacobs Center for Lifelong Learning and Institutional Development an der International University Bremen gegründet. Mäzen der Wissenschaft zu sein, zeigt sich vor allem in dem herausragenden und für Europa beispiellosen finanziellen Engagement Klaus J. Jacobs’ für die International University seiner Geburtsstadt Bremen. Der Stifter hat inzwischen dem Wunsch der Hochschule nach einer Umbenennung in Jacobs University zugestimmt – damit übernimmt Klaus J. Jacobs, auch für seine Familie, eine große und langfristige Verantwortung für diese Institution.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Klaus J. Jacobs ihre Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, ehrt sie sowohl einen herausragenden Mäzen der Wissenschaft und der Forschung als auch einen engagierten, zur Nachahmung einladenden Unternehmer, der sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und als Vorbild in einer bürgerlichen Gesellschaft weite Ausstrahlung besitzt.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. phil. Dr. phil. h.c. Hans Joachim Meyer,
Staatsminister a. D. für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen,

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Professor Dr. phil. Dr. phil. h.c. Hans Joachim Meyer, geboren 1936 in Rostock, ist das, was man gemeinhin eine streitbare Persönlichkeit nennt. Womit weder zum Ausdruck gebracht werden soll, dass er den Streit um des Streites willen pflegt, noch dass er bar jeder Streitbereitschaft die Flucht ergreift, wenn am Horizont ein Konflikt aufzieht. „Streitbar“ ist jemand, der ohne Zaudern und unverzüglich für seine Ansichten ficht, der, wenn ihm sein Gewissen etwas anderes rät, sich niemals vor Mehrheiten verbeugt, nur deshalb, weil es Mehrheiten sind. Einer, der durchaus gern alle, gegebenenfalls auch nur die meisten oder doch wenigstens sehr viele auf seiner Seite wüsste – den es aber auch nicht schreckt, wenn er alleine steht.

Schon 1955, als er seine Studien aufnahm, ging er nicht den Weg, den die meisten gingen. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaft in Potsdam-Babelsberg, einer absoluten Eliteeinrichtung der Rechtswissenschaft der DDR – eine Einrichtung, die immer stolz darauf war, die Rechtslehre im SED-Staat auf ihre Vereinbarkeit mit dessen Idealen zu kontrollieren und sie gegebenenfalls zur Ordnung zu rufen.

Dass er gläubiger Katholik war, konnte und musste er nicht als Hindernis für ein Streben nach Recht und Gerechtigkeit ansehen. Seine Lehrer sahen das anders. Aber immerhin gaben sie sich drei volle Jahre ziemliche Mühe, ihn anzupassen, bis er 1958 aus politischen Gründen exmatrikuliert wurde. Aber, wer schon 1952 mit 16 Jahren in die CDU eingetreten war, wer so jung schon so fest für eine politische Linie votierte, die zu den Herrschenden distanziert und kritisch verlief, der war für Linientreue und Konformismus nicht zu gewinnen. Die Folge solcher Unbeugsamkeit hieß in der DDR nahezu ausnahmslos, dass der Marsch „in die Produktion“ anzutreten war, eine, wie man es sah, pädagogische Maßnahme, die aufs höchste geeignet war, den Mangel der ungenügenden Verbindung zur Arbeiterklasse zu beheben.

Die gern als Arroganz gedeutete Ungeduld des Hochbegabten erleichterte den Verantwortlichen diese Relegation, die Hans Joachim Meyer für ein Jahr als Hilfsarbeiter in den Lokomotivbau von Babelsberg führte. Danach konnte er seine Studien wieder aufnehmen: Er studierte von 1959 bis zum erfolgreichen Erwerb des Diploms 1964 an der Humboldt-Universität zu Berlin die Fächer Anglistik/ Amerikanistik und Geschichte. 1971 wurde er zum Dr. phil. promoviert, 1981 konnte er sich habilitieren, 1985 erhielt er schließlich eine außerordentliche Professur an der Humboldt Universität.

Obwohl Hans Joachim Meyer seit seiner Diplomierung ohne Unterbrechung an der Universität und damit im zentralen Hort der Wissenschaft beschäftigt war, hat er sich überwiegend sprachpraktisch im Bereich der Angewandten Sprachwissenschaft betätigt und sich von der Theorie ferngehalten. Aber, wenn alle Theorie politisch einspurig fundamentiert ist und infolgedessen alle Theoriepolitik im Dienste einer einzigen Strategie steht, die man nicht oder nur sehr eingeschränkt billigen kann, dann ist es klüger, wenn man sich fernhält, statt sich unüberlegt und jedenfalls folgenlos zu opfern.

Englisch-Unterricht im Bereich der Sprachintensivausbildung und ein extensives Engagement in seiner Kirche hätten vermutlich auch über die 1980er-Jahre hinaus das Leben des Hans Joachim Meyer bestimmt – ein Leben zweifellos nicht ohne Befriedigung und Erfüllung, aber doch zwangsläufig in einer Nische, die ihm freies Atmen und selbständiges Denken, aber weder Äußerung noch Mitwirkung erlaubte.

Aber dann kam die Wende, die vor allem im politischen und akademischen Bereich viele Karrieren aus Ost und West in eine ungeahnte und nicht vorhersehbare Richtung geschoben hat. Hans Joachim Meyer fand sich 1990 fast buchstäblich „über Nacht“ als Minister für Bildung und Wissenschaft in der Regierung von Lothar de Maizière wieder. Gleichsam aus dem Stand heraus erwies er sich als kenntnisreicher und kühler Verhandlungspartner im Bereich von Bildung und Wissenschaft, als die Beitrittsverhandlungen der DDR mit der Bundesrepublik begannen.

Die Verblüffung auf Seiten der Westdeutschen war groß. Da wusste einer in vielen Bereichen des sich neu formierenden nationalen Gesamtraumes offenkundig besser Bescheid als viele derjenigen, die aus dem Westen kamen, und zweifellos kannte er sich besser aus als alle, die aus dem Osten stammten. Jedenfalls soweit sie unbelastet waren und deshalb keine professionelle Gelegenheit gehabt hatten, sich Westkenntnisse anzueignen. Hobbymäßig und autodidaktisch habe er sich diese Kenntnisse angeeignet, erklärte er lakonisch auf diesbezügliche Fragen.

In der Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsrat, dem gesamtdeutschen Instrument der Wiedervereinigung im wissenschaftlichen Bereich, erwies sich das ehemalige zweckfreie Interesse des damaligen Ministers Meyer als ein einmaliger Glücksfall für die Wissenschaftspolitik der Nation: Unermüdlich, im Grundzug freundlich, gern ironisch, gelegentlich sarkastisch, immer scharfzüngig, nicht selten böse, schilderte er dem Westen die Wissenschaftslandschaft des Ostens, die Bedingungen, Vorzüge und Einschränkungen, unter denen gedacht und gearbeitet worden war. Dass es schließlich gelang, die Wissenschaft der DDR gegenüber dem abstrusen Wüsten-Gerede aus dem Westen erfolgreich zu verteidigen, Respekt zu erzielen, die schmerzhaften Einschnitte und Abrisse dem Osten verständlich und dem Westen wenigstens als schmerzhafte klar zu machen, das war im Wesentlichen auch das Verdienst des Ministers Meyer.

Verhindern konnte er nicht viel. Chancen, die er sah und beschrieb, wurden zu selten genutzt. Gefolgt ist man ihm nicht oft. Vielfach zu Unrecht, wie sich später zeigte. Einige Freunde hat er sich gemacht. Feinde auch – und zwar vermutlich mehr.

Dabei blieb es, als Hans Joachim Meyer nach der Vereinigung 1990 Staatsminister für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen im Kabinett Biedenkopf wurde. Zuständig für die Hochschulen, die akademische Fort- und Weiterbildung, die Forschung und die Kultur, brachte er im Interesse Sachsens nachdrücklich und hartnäckig den gemeindeutschen Gesichtspunkt zur Sprache und in die Diskussion – meistens in der zwar nicht erklärten, aber deutlichen Absicht, über Sachsen und durch Sachsen hindurch der deutschen Wissenschaft und Kunst einen nachhaltigen Dienst zu erweisen. Sachsen als Ort des wissenschaftlichen Probehandelns für das Ganze. Sachsen als Vorreiter und Zugpferd für deutsche wissenschaftliche Ambitionen, das war seine Vision.

Auch damit ist er, blickt man aus heutiger Sicht zurück, überwiegend allein geblieben. Zwar taucht in allen großen Debatten, die den Hochschulbereich und den Wissenschaftsbetrieb in den 1990er-Jahren, nicht nur in Sachsen, beschäftigten, der Name Hans Joachim Meyer auf: Vom Hochschulzugang bis zur Föderalismus-Reform, von Studiengebühren bis zum sogenannten Bologna-Prozess, von der Professorenevaluation bis zur Bewertung von Akademieleistungen, vom Hochschulbau bis zur internationalen Forschungsförderung. Vieles auf diesem Feld ließ sich verwirklichen: Gebäude, Institutionen, Regularien zeugen vom Wirken des Staatsministers, der 2002 nach zwölf Jahren aus dem Amt schied. Aber die Majorität sah er selten auf seiner Seite.

Auch dort, wo sich Hans Joachim Meyer seit seinem Ausscheiden aus der Wissenschaftspolitik betätigt, nämlich im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dessen Präsident er bereits seit 1997 ist, zeichnet sich insbesondere hinsichtlich der großen Streitthemen des Katholizismus der Gegenwart, wie beispielsweise dem Zölibat oder dem weiblichen Priesteramt, erneut das Lebensmuster des einsamen und streitbaren Kämpfers für seine Wahrheiten ab.

Von der großen Wertschätzung, die dem Wissenschaftspolitiker und Professor für Anglistik Hans Joachim Meyer entgegengebracht wird, zeugen hohe Ehrungen wie die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden, die Ehrenmitgliedschaft der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, die Senatorenwürde der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz sowie das Große Bundesverdienstkreuz. Des weiteren ist er Vorsitzender des Kuratoriums der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie Mitglied des Rostocker Universitätsrates und des Verwaltungsrates des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Hans Joachim Meyer ihre Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, würdigt sie seine Leistungen als Wissenschaftler, der in schwieriger Situation politische Verantwortung übernommen und dabei für die Wissenschaft Außerordentliches geleistet hat.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Dr. rer. pol. Arend Oetker

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Dr. rer. pol. Arend Oetker kann ein herausragender Mäzen im klassischen Sinne eines selbstlosen Förderers genannt werden, der bereits seit Jahren eine Fülle ehrenamtlicher Funktionen und Aufgaben im Bereich der Wissenschafts-,Kunst- und Kulturförderung übernommen hat. Schließlich ist er ein Netzwerker im besten Sinne des Wortes, weil er mit Rat und Tat, Kompetenz und Professionalität, mit humorvoller Ernsthaftigkeit und menschlicher Verbindlichkeit die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur in beispielhafter Weise miteinander zu verknüpfen versteht.

Arend Oetker wurde 1939 geboren. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums Leopoldinum in Detmold studierte er von 1962 bis 1966 Betriebswirtschaftslehre und Politische Wissenschaften in Hamburg, Berlin und Köln. 1967 wurde er an der Universität zu Köln zum Dr. rer. pol. promoviert. Es folgen Tätigkeiten in verschiedenen unternehmerischen Funktionen sowie Mandate in Kontrollgremien in- und ausländischer Wirtschaftsunternehmen. A. Oetker ist Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG, Berlin, sowie u.a. Präsident des Verwaltungsrates der Hero AG, Lenzburg/Schweiz, und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Schwartauer Werke GmbH & Co. KGaA, Bad Schwartau.

Schon zu einem frühen Zeitpunkt hat das ehrenamtliche Engagement bei A. Oetker für ihn betreffende Verbände sowie für Kultur und Wissenschaft breiten Raum eingenommen: So trat er Mitte der 70er Jahre in das Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ein, dessen Vizepräsident und Schatzmeister er seit 1993 ist. Darüber hinaus ist er seit 1995 gewähltes Mitglied des Präsidiums und des Vorstandes der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Seit 1998 ist er ständiger Gast im Präsidium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG); des weiteren gehört er dem Senat der Max-Planck-Gesellschaft sowie dem Kuratorium der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung als Mitglied an. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V., Berlin, und der Deutschen Stiftung Musikleben, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, bundesweit den hochbegabten Nachwuchs in der klassischen Musik zu fördern. Fernerhin ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Philharmonie GmbH. Nachdem er bereits seit 1977 stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft e.V. (Essen) war, wurde Arend Oetker 1998 zu dessen Präsidenten gewählt.

Kennzeichnend für Arend Oetkers eindrucksvolle Förderungsaktivitäten ist, daß er stets den Dialog mit Wissenschaftlern und Künstlern gesucht hat. Um die Spannbreite seiner vielfältigen Förderinteressen zu illustrieren, sei erwähnt, daß er nicht nur zahlreiche Förderprogramme im Bereich der Wissenschaft inspiriert und dotiert hat, sondern daß er u.a. auch einer der wichtigsten Förderer der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst ist. Des weiteren hat er sich für die Restaurierung der St. Petri-Kirche zu Lübeck ebenso stark gemacht wie für das Privatschulwesen in Berlin und für die Humboldt-Universität. Erheblichen Anteil hatte A. Oetker auch beim Aufbau der German University in Kairo.

Maßgeblich auf Arend Oetker gehen eine Reihe besonderer Initiativen der Förderung in und für die Wissenschaft zurück, so beispielsweise die als ein Aktionsprogramm des Stifterverbandes aufgelegte Initiative „PUSH: Dialog Wissenschaft und Gesellschaft“, die sich um ein besseres gesellschaftliches Verständnis für Wissenschaft und um ihre dauerhafte Finanzierung bemüht. Auch die qualifizierte Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor- und Masterabschlüsse im Rahmen des Bologna-Prozesses ist Oetker wichtig; insbesondere mit der Aktion „Bachelor welcome!“, die von führenden deutschen Unternehmen ins Leben gerufen wurde, hat er Initiativen mit auf den Weg gebracht, die den Universitäten dabei helfen, diesen Umstellungsprozeß zu bewältigen. Arend Oetker setzt sich aber nicht nur durch die Unterstützung konkreterProjekte mit großem persönlichen Engagement für die Förderung der Wissenschaften ein, sondern auch im grundsätzlichen, wissenschaftspolitischen Rahmen. So appellierte er im April 2005 als Präsident des Stifterverbandes in einem Brief an die Ministerpräsidenten der unionsregierten Bundesländer, sich für eine rasche Unterzeichnung des „Paktes für Forschung“ einzusetzen und die Exzellenzinitiative für Spitzenhochschulen rasch auf den Weg zu bringen. Im Vorfeld der jüngsten Bundestagswahl wandte er sich an die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, daß der Stifterverband dazu beitragen wolle, das Thema „Innovationsfähigkeit Deutschlands“ zu einem herausragenden Wahlkampfthema zu machen, um somit auch die Austauschprozesse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verbessern zu helfen. Die von A. Oetker maßgeblich mitgestalteten Jahresversammlungen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft gehören zu den wichtigen wissenschaftspolitischen und intellektuellen Ereignissen eines Jahres. Der Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute e.V. würdigte Arend Oetkers langjährige beispielgebende Förderung der bildenden Kunst, der Denkmalpflege, von Museen und Sammlungen sowie kulturellen Einrichtungen und Initiativen (nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch im Ausland) 1989 mit der Maecenas-Ehrung.

In Arend Oetkers Person und seinem beispielhaften Wirken sind die Dichotomien von Kultur und Ökonomie, von Geist und Kapital aufgehoben – er ist ein „Künstler des Unternehmertums“, ein Künstler im Unternehmerkreis und zugleich ein Unternehmer im Kreise von Künstlern und Wissenschaftlern.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Arend Oetker ihre Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, ehrt sie sowohl einen überragenden Wissenschaftsförderer, -politiker und Mäzen als auch einen Unternehmer, der sich seiner sozialen Verantwortung in Freude und Professionalität bewußt ist, der als Vorbild in einer bürgerlichen Gesellschaft weite Ausstrahlung besitzt und zur Nachahmung einlädt.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. phil. Heinrich Meier

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Professor Dr. phil. Heinrich Meier, geboren 1953 in Freiburg im Breisgau, studierte Philosophie, Politische Wissenschaft und Soziologie. 1985 wurde er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zum Dr. phil. promoviert. Noch im gleichen Jahr wurde Heinrich Meier zum Geschäftsführer der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München bestellt, die er seit nunmehr zwei Jahrzehnten leitet.

Diese Wissenschaftsstiftung war 1958 durch Ernst von Siemens, einem Enkel des Unternehmensgründers, errichtet und nach dessen Vater benannt worden. Seit der Übernahme der Geschäftsführung hat Heinrich Meier der Wissenschaftsförderung durch die Carl Friedrich von Siemens Stiftung ein herausragendes wissenschaftliches Profil gegeben und ihr somit gleichermaßen zu nationaler und internationaler Ausstrahlung verholfen.

Das Herzstück der Tätigkeit der Carl Friedrich von Siemens Stiftung bildet das Wissenschaftliche Vortragsprogramm, mit dem sich die Stiftung an die wissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit wendet. Zu den zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen, Vorlesungen und Diskussionsabenden der Stiftung lädt Heinrich Meier jeweils ein ausgewähltes, fachkundiges und interdisziplinär interessiertes Publikum ein. Das wissenschaftliche Vortragsprogramm strahlt längst über den eigentlichen Münchener Raum hinaus und erreicht Interessenten in der gesamten Bundesrepublik. Die von H. Meier entwickelten Vortragsprogramme reichen von der Physik bis zur Philosophie, von der Literaturwissenschaft bis zu den Neurowissenschaften, von den Sozialwissenschaften, der Kunstgeschichte, Archäologie und Musikwissenschaft bis hin zu Ökologie, Biochemie und Mathematik. Die Referenten kommen nicht nur aus den deutschsprachigen Ländern, sondern werden aus ganz Europa und Übersee, insbesondere immer wieder auch aus den USA, eingeladen; viele Veranstaltungen finden dementsprechend in englischer Sprache statt. Zahlreiche Beiträge werden in einer von Heinrich Meier mit größter Sorgfalt betreuten und sich regen Interesses erfreuenden Reihe der Carl Friedrich von Siemens Stiftung publiziert.

Alles dies wäre nicht möglich ohne eine beständige und umsichtige Beobachtung der internationalen wissenschaftlichen Diskussion, nicht ohne staunenswerte Aneignung ausgedehnter Personalkenntnisse, ein ausgeprägtes Bewußtsein für wissenschaftliche Qualität und Exzellenz sowie eine große Sensibilität für die Bedeutung und Aktualität von Themen: So konnte die Carl Friedrich von Siemens Stiftung in der Vergangenheit schon des öfteren nachmals zu Ansehen gelangten ausländischen Wissenschaftlern ein erstes Forum in Deutschland bieten. Die Früchte der von Heinrich Meier konzipierten und organisierten interdisziplinären Sondervortragsreihen liegen in Sammelbänden vor, bei denen er als Herausgeber oder Mitherausgeber zeichnet. Hierzu gehören u.a. „Die Herausforderung der Evolutionsbiologie“ (1988, 31992), „Zur Diagnose der Moderne“ (1990) und „Der Tod im Leben. Ein Symposion“ (2004, zusammen mit F. W. Graf). Sowohl die gewählten Themen als auch die einzelnen Beiträge und Beiträger illustrieren in eindrucksvoller Weise die Qualität und nicht zuletzt den Rang, welche die Wissenschaftsförderung durch die Carl Friedrich von Siemens Stiftung und ihren Geschäftsführer Heinrich Meier erfährt. Maßgeblichen Anteil hat dieser auch an der Gestaltung des Programms zur Förderung der Wissenschaften in den neuen Bundesländern, das die Stiftung angesichts des historischen Umbruchs der Jahre 1989/90 in Gestalt von Bibliotheksförderungen und der Einrichtung einer Stiftungsprofessur aufgelegt hat. Seit 1993 vergibt die Stiftung an hervorragende Wissenschaftler Carl Friedrich von Siemens Fellowships.

Mit Heinrich Meier wird jedoch nicht nur der entschiedene Förderer der Wissenschaften, sondern auch der profilierte politische Philosoph geehrt, dessen – vielfach übersetzte – Veröffentlichungen zu Jean-Jacques Rousseau (jüngst „’Les rêveries du Promeneur Solitaire’. Rousseau über das philosophische Leben“, 2005), Carl Schmitt und Leo Strauss ein breites internationales Echo ausgelöst haben. Mit großer Eindringlichkeit umkreist Meiers Denken das Verhältnis von Politischer Philosophie und Politischer Theologie. Dank seiner von großer Umsicht, Sensibilität und Akkuratesse gekennzeichneten, in verborgene Tiefenschichten vordringenden, exemplarischen intellektuellen Auseinandersetzung mit Carl Schmitts „Begriff des Politischen“ konnte H. Meier eine jahrzehntealte Diskussion auf eine neue Grundlage stellen („Carl Schmitt, Leo Strauss und ‚Der Begriff des Politischen’. Zu einem Dialog unter Abwesenden“, 1988; 1998). Ganz besondere und herausragende Verdienste hat sich Meier um den früh aus Deutschland ins Exil getriebenen Philosophen jüdischer Herkunft Leo Strauss erworben – dies dokumentieren insbesondere Heinrich Meiers glänzende Analysen mit den Titeln „Die Denkbewegung von Leo Strauss. Die Geschichte der Philosophie und die Intention des Philosophen“ (1996) sowie „Das theologisch-politische Problem. Zum Thema von Leo Strauss“ (2003). Seit 1996 bereitet H. Meier die auf sechs Bände angelegte Herausgabe der „Gesammelten Schriften“ Leo Strauss’ vor, von der bereits, jeweils mit einem ausführlichen Vorwort des Herausgebers versehen, drei Bände publiziert und mehrfach aufgelegt wurden: Diese mit größter Akribie, ohne zusätzlichen institutionellen Rahmen betriebene ambitionierte Werkausgabe setzte von Anfang an editorische Maßstäbe und ermöglicht es dem deutschsprachigen Leser erstmalig, einen Eindruck von der philosophischen Reichweite und der thematischen Bandbreite des Œuvres von Strauss zu gewinnen.

1997 wurde Heinrich Meier mit dem erstmals vergebenen Peregrinus-Preis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet; seit 1999 ist er Honorarprofessor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von der hohen Wertschätzung, die ihm im In- und Ausland zuteil wird, zeugen nicht nur seine rege Vortragstätigkeit an namhaften wissenschaftlichen Institutionen, sondern vor allem auch die Auszeichnung mit der Georges Lurcy Professur des Jahres 2000 an der University of Chicago sowie seine Gastprofessur am Boston College (USA), die er 2003 wahrnahm.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Heinrich Meier ihre höchste Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, würdigt sie eine Persönlichkeit, die mit ihrem überragenden Engagement in eindrucksvoller Weise bewiesen hat, wie mit Kenntnisreichtum, Beharrlichkeit, Phantasie und Leidenschaft für die Wissenschaft auch die Wissenschaftsförderung einer vergleichsweise kleinen Stiftung exzellente Ergebnisse zu bringen vermag.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. h.c. mult. Hasso Plattner

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Professor Dr. h.c. mult. Hasso Plattner ist nicht nur eine der international bedeutendsten und einflußreichsten Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Informationstechnologie, sondern darüber hinaus ein herausragender Mäzen der Wissenschaften in Deutschland, dessen Engagement ebenso ungewöhnlich wie beispielhaft ist.

Hasso Plattner wurde 1944 in Berlin geboren. Er studierte Nachrichtentechnik an der Universität Karlsruhe (TH), wo er auch sein Diplom erwarb. 

1972 verließ Hasso Plattner gemeinsam mit vier weiteren Kollegen IBM in Mannheim, um das Software-Unternehmen SAP zu gründen. Heute ist die SAP AG (Systeme, Anwendungen, Produkte in der Datenverarbeitung) mit Hauptsitz in Walldorf weltweit führender Anbieter bei offenen, integrierten Softwarelösungen. Zunächst war Hasso Plattner für die Entwicklung des Finanzmoduls im R/2 System verantwortlich – eines der ersten Standardanwendungspakete, die es auf dem Markt gab. Im Jahre 1979 übernahm er dann die Gesamtverantwortung für die technologische Entwicklung und war seinerseits die treibende Kraft hinter dem erfolgreichen Vordringen der SAP mit dem System R/3 in den Client/Server-Bereich. Beim Börsengang des Unternehmens 1988 wurde Plattner zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands der SAP ernannt; von 1997 bis Mai 2003 war er Vorstandssprecher der SAP AG. Seit Mai 2003 ist Plattner Vorsitzender des Aufsichtsrates der SAP AG. In seiner Eigenschaft als Chief Software Advisor berät er die SAP bei der mittel- und langfristigen technologischen Ausrichtung und Strategie. Darüber hinaus steht er dem Technologieausschuß des SAP-Aufsichtsrates vor. 

Bereits seit längerem engagiert sich Hasso Plattner in bedeutendem Umfang bei der Förderung der Wissenschaften in Deutschland: So ist H. Plattner der Universität des Saarlandes schon seit vielen Jahren in der Lehre verbunden – seit fast zwei Jahrzehnten hält er in Saarbrücken Vorlesungen zum Thema „Technologie eines integrierten Informationssystems“. Des weiteren ist er seit 1982 immer wieder Hauptreferent bei den durch das Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) organisierten Saarbrücker Arbeitstagungen über Rechnungswesen und EDV, die zu einem Treffpunkt fortschrittlicher Praktiker, Systementwickler und Wissenschaftler auf dem Gebiet des Rechnungswesens und Controllings geworden sind. Zahlreiche Artikel in technischen und anderen Fachbüchern zeugen von Plattners reger Publikationstätigkeit; das im Jahr 2000 erschienene Buch „Dem Wandel voraus“ gestattet überdies faszinierende Einblicke in die außergewöhnlich erfolgreiche Unternehmensgeschichte der SAP und das Wirken Hasso Plattners als einem der wichtigsten Gestalter der Softwareindustrie.

Mäzen der Wissenschaft zu sein, zeigte Hasso Plattner in besonderer und außergewöhnlicher Weise durch die 1998 an der Universität Potsdam erfolgte Gründung des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik (HPI), welches mit dem höchsten privaten Finanzaufwand in Millionenhöhe errichtet wurde, der je an einer deutschen Hochschule gestiftet wurde. Als unabhängige Einrichtung in Form eines An-Instituts an der Universität Potsdam verfolgt das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik das Ziel, in einem neuartigen, international orientierten Studiengang Softwareingenieure aus- und weiterzubilden, die ihrerseits in der Softwareindustrie zur Beherrschung der Komplexität gegenwärtiger und zukünftiger Softwareprodukte beitragen. Des weiteren soll die Entwicklung auf diesem Gebiet gefördert werden. Motiviert durch die Bedürfnisse von Wirtschaft und Industrie, widmet sich das interdisziplinär arbeitende Institut insbesondere der Bildung einer Ingenieurskultur im Software Engineering. Mit der Bezeichnung Softwaresystemtechnik unterstreicht das HPI zudem den Systemcharakter der Ingenieurskultur auf diesem Gebiet. Das auf einem Zusammenwirken der Hasso-Plattner-Stiftung für Softwaresystemtechnik, dem Land Brandenburg und der Universität Potsdam basierende Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) leistet daher nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht Pionierarbeit, sondern es verkörpert ein in Deutschland bislang unbekanntes Mäzenatentum und zukunftsweisendes Modell einer Public Private Partnership, das seinesgleichen sucht. 

Ein weiteres Beispiel für Hasso Plattners herausgehobenes mäzenatisches Engagement ist seine einzigartige Unterstützung beim Ausbau der Mannheimer Universitätsbibliothek: Durch eine der bis dato größten privaten Spenden innerhalb der deutschen Hochschullandschaft ermöglicht die Hasso-Plattner-Förderstiftung die Erweiterung der Universitätsbibliothek durch eine Aufstockung des Schloß-Mitteltraktes nach historischem Vorbild, mit der 2003 begonnen werden konnte.
Hasso Plattners Wirken als Entwickler, Gründer, Unternehmer und Mäzen von visionärer Kraft ist bereits vielfach gewürdigt worden: So verlieh ihm die Universität des Saarlandes bereits 1990 die Ehrendoktorwürde; 1994 folgte die Ernennung zum Honorarprofessor für das Fach Wirtschaftsinformatik. 1997 erhielt er den angesehenen Information Technology Leadership Award for Global Integration im Rahmen des Computerworld Smithsonian Awards Programms. 1998 wurde Hasso Plattner die Würde eines Ehrensenators der Universität des Saarlandes verliehen. Noch im gleichen Jahr wurde er in die ‚Hall of Fame’ des „manager magazins“ aufgenommen, einer ‚symbolischen Ruhmeshalle’ für Persönlichkeiten, die sich um die wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Entwicklung der Bundesrepublik verdient gemacht haben. Die Universität Potsdam zeichnete Hasso Plattner 2002 mit der Ehrendoktorwürde ihrer Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät aus – seit dem Sommersemester 2004 ist er an dieser Universität auch als Honorarprofessor in der Disziplin Softwaresystemengineering tätig.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Hasso Plattner ihre Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, würdigt sie das überragende persönliche und finanzielle Engagement Hasso Plattners für die wissenschaftliche Disziplin Softwareingenieurwesen und dessen beispielhaftes Wirken als Mäzen der Wissenschaft in Deutschland.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. phil. Dr. h. c. Wolf Lepenies

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Professor Dr. phil. Dr. h.c. Wolf Lepenies, geboren 1941 im ostpreußischen Deuthen, repräsentiert einen hierzulande seltenen Typus von Gelehrten, über den er selbst ebenso gern wie brillant zu sprechen versteht – er ist ein public intellectual von internationaler Ausstrahlung und Geltung. 

W. Lepenies wurde 1967 an der Universität Münster zum Dr. phil. in Soziologie promoviert; das Thema seiner Dissertation lautete „Melancholie und Gesellschaft“. Er habilitierte sich und wurde vier Jahre später, 1971, zum Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin ernannt. Durch Fellowships und Gastprofessuren nicht nur im europäischen, sondern vor allem im überseeischen Ausland stellte er seine Forschungen bereits früh in einen breiten internationalen Kontext: So war er u.a. Directeur d’études associé an der Pariser Maison des Sciences de l’Homme (1977 ff.) sowie Mitglied bzw. Langzeitmitglied der School of Social Science des renommierten Institute for Advanced Study in Princeton, N.J. (1979-80 bzw. 1982-84). 
Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften will mit ihrer Auszeichnung hingegen nicht einen Soziologen ganz eigener Prägung ehren, der mit klassischen Monographien, von denen ein Großteil in mehrere Sprachen übersetzt worden ist, u.a. das Verständnis vergangener und gegenwärtiger Gesellschaften geprägt und bemerkenswerte Beiträge zu einer Wissenschaftstheorie der Soziologie zwischen Geistes- und Naturwissenschaften geleistet hat („Die drei Kulturen. Soziologie zwischen Literatur und Wissenschaft“, 1985), auch nicht den Romanisten von Rang („Sainte-Beuve. Auf der Schwelle zur Moderne“, 1997) oder den klugen Beobachter aktueller kultureller Entwicklungen (z.B. „Benimm und Erkenntnis“, 1997), nicht den glänzenden Rhetor und präzisen Essayisten. Die Auszeichnung gilt vielmehr dem wissenschaftsorganisatorischen sowie dem kultur- und wissenschaftspolitischen Wirken von Wolf Lepenies, dem ‚Praktischwerden’ seiner Intellektualität in einem durchaus Leibnizschen Sinne. 

Eine besondere institutionelle Gelegenheit zu solchem Wirken ergab sich, als Lepenies, der bereits zwei Jahre zuvor zum Ordentlichen Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin und zum Ständigen Wissenschaftlichen Mitglied des Wissenschaftskollegs zu Berlin berufen worden war, 1986 als Rektor die Leitung dieses damals noch jungen Institute for Advanced Study übernahm, dem er – während dreier Amtsperioden – bis 2001 vorstand.

Rasch begann Lepenies, sein Engagement über den Rahmen Berlins hinaus auszudehnen – insbesondere nach den Umbrüchen des Jahres 1989: Als die zentrale Herausforderung der umwälzenden Veränderungen dieses Epochenjahres erkannte Lepenies die Notwendigkeit, sich „auf ein gemeinsames Lernen mit dem Osten einzulassen“, die überkommenen westlichen „Belehrungsgesellschaften“ wieder in fruchtbare „Lerngesellschaften“ umzuwandeln und „unsere kulturellen Selbstverständlichkeiten zu überdenken“. Mit dieser ebenso anspruchsvollen wie visionären Zielsetzung hat er sich vor allem seit den 90er Jahren unermüdlich und mit großem Erfolg für die Erneuerung und Stärkung lokaler Wissens- und Wissenschaftskulturen im Ausland, insbesondere im östlichen Europa eingesetzt, sich bei der Gründung eines Institute for Advanced Study in Budapest (Collegium Budapest) und eines multidisziplinären Forschungszentrums für Geistes- und Sozialwissenschaften in Bukarest (New Europe College) engagiert sowie die Bibliotheca Classica in St. Petersburg, die Graduate School for Social Sciences an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau und das westafrikanische Forschungszentrum Point Sud – Muscler le savoir local in Bamako/ Mali gefördert. Alle diese Einrichtungen blühen und gedeihen heute auch ohne seine Hilfe: „Wir gingen nirgends hin, um zu belehren. Wir wollten vor allem von anderen lernen. Wir wollten anderen keine Regeln aufzwingen, sondern gemeinsam eine neue Wissenschaftspolitik [...] entwickeln“ (Lepenies). Zu dieser grundlegenden Orientierung kommt bei Wolf Lepenies ein waches Sensorium für förderungswürdige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hinzu, vor allem für den Nachwuchs in den verschiedensten Disziplinen und Kontexten: Die Zahl derer, die ihm in diesem Zusammenhang entscheidende wissenschaftliche Impulse verdanken, ist groß.

In der Vergangenheit wurden Lepenies bereits bedeutende Auszeichnungen und vielfache Ehrungen zuteil: So ist er u.a. Träger des Alexander von Humboldt-Preises für französisch-deutsche wissenschaftliche Zusammenarbeit, des Joseph-Breitbach-Preises der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz sowie des Theodor-Heuss-Preises. Darüber hinaus ist er Ehrendoktor der Sorbonne, Paris, Offizier der französischen Ehrenlegion sowie Mitglied in- und ausländischer Akademien.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ihrem Gründungsmitglied Wolf Lepenies ihre höchste Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, würdigt sie sein außerordentliches persönliches Engagement als Wissenschaftspolitiker und Wissenschaftsorganisator, seinen beständigen Einsatz für die Förderung eines disziplinen-, kulturen- und nationalitätenübergreifenden Dialogs zwischen Wissenschaftlern und nicht zuletzt seine großen Verdienste um die Ausgestaltung grenzüberschreitender Kooperationsnetze für die Wissenschaft in Deutschland.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. phil. Dr. h. c. Jan Philipp Reemtsma

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Professor Dr. phil. Dr. h.c. Jan Philipp Reemtsma, 1952 in Bonn als Sohn einer bedeutenden Unternehmerfamilie geboren, kann ein Stifter aus Leidenschaft genannt werden. Er, der selbst nicht mehr unternehmerisch tätig sein wollte, hat es sich vielmehr zur Aufgabe gemacht, sich für die Förderung von Wissenschaft und Kunst einzusetzen.

In Hamburg studierte er Germanistik und Philosophie, 1993 wurde er zum Dr. phil. promoviert und ist heute Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Reemtsma ist der seltene Fall eines Mäzens, der auf den Feldern, auf denen er als Stifter wirkt, auch selbst wissenschaftlich tätig ist. Was ihn, den vielseitigen Philologen und Sozialwissenschaftler umtreibt und fasziniert, fördert er in seiner Eigenschaft als public intellectual und Autor: Aufklärung.

Sein Interesse als Stifter gilt zunächst der Literatur und hier vor allem zwei Gestalten, nämlich Arno Schmidt, dem er auch persönlich verbunden war, und Christoph Martin Wieland. So gründete er 1981 die Arno Schmidt Stiftung, deren Zweck u.a. die Herausgabe der Werke des Autors – Reemtsma ist selbst Mitherausgeber der „Bargfelder Ausgabe“ der Werke Schmidts – und die Erschließung seines literarisch-künstlerischen Nachlasses ist. Darüber hinaus vergibt die Stiftung, der Reemtsma seit 1983 auch vorsteht, einen angesehenen Literatur-Preis. Für Chr. M. Wieland, dessen „Politische Schriften, insbesondere zur Französischen Revolution“ er mit herausgegeben hat, hat er sich ebenfalls durch die energische ideelle wie finanzielle Förderung von Editionsprojekten eingesetzt, nicht zuletzt auch an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Reemtsmas Interesse gilt aber in einem sehr viel komplexeren Sinne der Beförderung von Aufklärung in der Gesellschaft: Große öffentliche Anerkennung hat er sich insbesondere 1984 mit der Gründung des Hamburger Instituts für Sozialforschung erworben, einer Stiftung, deren Vorstand er seitdem ist. Als ein Ort kritischen Denkens betreibt das Institut in Gestalt wissenschaftlicher Projekte, Tagungen, Ausstellungen etc. ein vielfältiges Forschungsprogramm. Derzeit gibt es u.a. drei große Arbeitsbereiche, nämlich ‘Theorie und Geschichte der Gewalt’, ‘Die Gesellschaft der Bundesrepublik’ sowie ‘Nation, Ethnizität und Fremdenfeindlichkeit’. Das bislang wohl bekannteste Projekt dürfte die aufsehenerregende Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ sein, die von 1995-99 in mehr als 30 Städten in Deutschland und Österreich gezeigt wurde und inzwischen, einem neuen Konzept folgend, wieder zu sehen ist. Kein geschichtspolitischer Versuch hat die deutsche Öffentlichkeit bislang so bewegt und zu Kontroversen geführt wie die sog. Wehrmachtsausstellung, die selbst schon zu einem Stück Zeitgeschichte geworden ist.

Reemtsma ist jedoch nicht nur Stifter und Philologe, sondern nicht zuletzt auch ein Autor, Redner und Publizist von enormer Belesenheit und profunder Gelehrsamkeit, der mit großer Sensibilität und Differenzierungsvermögen souverän die unterschiedlichsten Sujets thematisiert. Beispiele seines literarischen Schaffens sind: „Mehr als ein Champion. Über den Stil des Boxers Muhammad Ali“ (1995), „Im Keller“ (1997) „Mord am Strand. Allianzen von Zivilisation und Barbarei“ (1998) sowie jüngst „’Wie hätte ich mich verhalten?’ und andere nicht nur deutsche Fragen“ (2001).

Sein Wirken als Mäzen und Intellektueller ist vielfach gewürdigt worden: So ist er u.a. Träger des Lessing-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg und des Niedersächsischen Kunstpreises für Literatur/Nicolas-Born-Preis. Die Universität Konstanz zeichnete ihn mit der Ehrendoktorwürde aus, die Universität Duisburg verlieh ihm 1999 die Gerhard-Mercator-Professur. 

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Jan Philipp Reemtsma ihre höchste Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, ehrt sie eine Persönlichkeit, die sich mit ihrem besonderen mäzenatischen Interesse in ungewöhnlicher Weise für die Wissenschaft und zugleich für eine humanere, aufgeklärte Gesellschaft einsetzt.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. rer.nat. Dr. h. c. mult. Reimar Lüst

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Professor Dr. rer.nat. Dr. h.c. mult. Reimar Lüst, geboren 1923 in Wuppertal-Barmen, ist eine der einflußreichsten deutschen Wissenschaftlerpersönlichkeiten, deren Wort bei allen wesentlichen Entscheidungen, die in Forschung und Wissenschaft zu treffen sind, besonderes Gewicht hat. In den zahlreichen Ämtern und Funktionen, in die der international hochangesehene Astrophysiker bislang berufen wurde, prägte er nicht nur die europäische Weltraumforschung, sondern vor allem die Wissenschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland in maßgeblicher Weise mit.

Nach dem Studium der Physik in Frankfurt/Main und der Promotion in Göttingen (1951) lehrte Reimar Lüst u.a. mehrere Jahre als Gastprofessor am renommierten Massachussetts Institute of Technology sowie am California Institute of Technology. 
Seit 1960 Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik, München, und von 1963-1972 Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching übernahm er bereits früh Funktionen im Wissenschaftsmanagement: So baute er von 1962-1964 als Wissenschaftlicher Direktor die European Space Research Organisation (ESRO) auf und vertrat von 1968-1970 als deren Vizepräsident auch die Bundesrepublik in den internationalen Gremien der Weltraumforschung.

Von 1969 bis 1972 bekleidete er den Vorsitz des Wissenschaftsrats und war seinerzeit u.a. mitverantwortlich für dessen Empfehlung zur Errichtung von Gesamthochschulen. 1972, einer Periode der Grundsatzdebatten über die Strukturen des bundesdeutschen Bildungssystems und die Frage der Mitbestimmung, übernahm Reimar Lüst für die folgenden zwölf Jahre das Amt des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft. In dieser Funktion verfestigte sich auch eine seiner Grundüberzeugungen, der zufolge die einzelne Forscherpersönlichkeit entscheidend für den Erfolg wissenschaftlicher Projekte und Institutionen ist. Daher trat er auch immer wieder entschieden für die Freiheit der Forschung – insbesondere der Grundlagenforschung – und für die Flexibilisierung ihrer Strukturen gegen den Zugriff durch die Bürokratie ein.

Von 1984-1990 ging er als Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA nach Paris und trieb in dieser Funktion auch die Integration Europas in einem industriepolitisch bedeutsamen Sektor engagiert voran. 

1989 wurde Reimar Lüst in einer Zeit tiefgreifender politischer Umwälzungen in das Amt des Präsidenten der traditionsreichen Alexander von Humboldt-Stiftung berufen, einer der wichtigsten Mittlerorganisationen deutscher auswärtiger Kulturpolitik. Während seiner insgesamt zehnjährigen Amtszeit gelang es ihm, eine doppelte Herausforderung dergestalt zu meistern, daß die Stiftung sowohl auf den stark angestiegenen Bedarf an Fördermöglichkeiten für Wissenschaftler aus den Staaten Mittel- und Osteuropas mit einer deutlichen Erhöhung der Zahl ihrer Stipendien reagierte, als auch innerhalb kurzer Zeit ihre Programme für Wissenschaftler und Institutionen der neuen Bundesländer öffnete.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Reimar Lüst ihre höchste Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung der Wissenschaften verleiht, ehrt sie zugleich eine der seltenen und in aller Welt angesehenen Persönlichkeiten, die nicht nur die Interessen einer einzelnen Institution zu vertreten haben, sondern deren von Ideenreichtum und außergewöhnlichem organisatorischen Geschick geprägtes Wirken über die Jahrzehnte hinweg dem Wohl der Gesamtheit von Wissenschaft und Forschung und der Bewahrung ihrer Freiheit gilt.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Professor Dr. h. c. mult. Berthold Beitz

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Professor Dr. h. c. mult. Berthold Beitz, Jahrgang 1913, ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Wirtschaft seit den Wiederaufbaujahren der Bundesrepublik Deutschland. Er gehört zu den herausragendsten Förderern von Wissenschaft, Forschung und Kultur.

1953 hatte Alfried Krupp von Bohlen und Halbach den damaligen Generaldirektor der Iduna-Germania Versicherungsgesellschaften in Hamburg für die Firma Krupp, Essen gewonnen und zum Generalbevollmächtigten ernannt. Als zum 1. Januar 1968 die dem Gemeinwohl verpflichtete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ihre Tätigkeit aufnahm, wurde Berthold Beitz Vorsitzender und geschäftsführendes Mitglied des Kuratoriums der Stiftung und blieb dies bis zum heutigen Tage. Das Wirken der Stiftung ist auf das Engste verbunden mit Berthold Beitz, ihre Verdienste und Erfolge sind in entscheidendem Maße die seinen. Weit über das Ruhrgebiet hinaus erfuhren unter seinem persönlichen Engagement technik- und naturwissenschaftliche ebenso wie kunst- und geisteswissenschaftliche Projekte großzügige Unterstützung. Die Stiftung half dort, wo Defizite erkennbar waren – durch die Förderung von Universitäten und Fachbereichen, durch Stiftungsprofessuren. Sie hat Stipendienprogramme aufgelegt und verleiht hochdotierte Förderpreise an begabte Nachwuchswissenschaftler. Ihr Mäzenatentum ist geprägt von der Anerkennung der Unabhängigkeit und Eigenverantwortung der Wissenschaft.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Berthold Beitz ihre höchste Auszeichnung für besondere Verdiente um die Förderung der Wissenschaften verleiht, ehrt sie zugleich einen Zeitzeugen, der die Geschichte mitgeschrieben und sich in ihr einen bleibenden und ehrenhaften Platz verdient hat.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Dr. Hartmut Rahn

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Dr. Hartmut Rahn, geboren 1930, studierte an den Universitäten Marburg, London, Amherst und Frankfurt/Main Anglistik, Germanistik und Soziologie. 1962 wurde er zum Dr. phil. promoviert. 

Hartmut Rahn stellte sein gesamtes berufliches Leben in den Dienst der Wissenschaft, sein Engagement galt insbesondere der Auswahl und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seit 1959 gehörte er der Geschäftsstelle der Studienstiftung des deutschen Volkes an und gestaltete als Generalsekretär der Studienstiftung mehr als zweieinhalb Jahrzehnte deren Arbeit und Programm maßgeblich mit. Sein Ziel, begabten jungen Menschen Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer wissenschaftlich-künstlerischen Fähigkeiten zu geben, verfolgte er mit Konsequenz und großem Engagement. Sein besonderes Augenmerkt galt den seit nunmehr über dreißig Jahren bestehenden wissenschaftlich ausgerichteten Jugendwettbewerben, deren Sieger in der Studienstiftung gefördert werden. Er leitete das von ihm kurz nach seinem Eintritt in die Studienstiftung gegründete und an ihr angesiedelte Institut für Test- und Begabtenforschung und legte eine Reihe von Publikationen zur Begabtenforschung vor.

Dem radikalen Wandel der universitären Rahmenbedingungen begegnete er mit Phantasie und Kreativität; die Erweiterung des Auswahlsystems und der Ausbau des Betreuungssystems bei schwindenden Finanzmitteln sind Beispiel dafür. Die Förderprogramme und -angebote der Studienstiftung wurden zu einem erheblichen Teil von H. Rahn initiiert und konzipiert, so die „Sommeruniversität“ als das Herzstück der Arbeit der Studienstiftung, das „Sprachenprogramm“ sowie spezifische Sonderprogramme wie „Studium und Beruf“, das „BASF-Forschungsprogramm“, das „McCloy Academic Scholarship Programme“ oder das „China-“ bzw. „Japan-Stipendien-Programm“. Dabei gelang es ihm, die Unterstützung von Wirtschaftsunternehmen und Stiftungen zu gewinnen.

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

Dr. Heinrich Pfeiffer

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.


Dr. Heinrich Pfeiffer, geboren 1927 in Weibach, studierte Philosophie, Geschichte und Pädagogik in Mainz, Frankfurt, Bonn, Stockholm und Minnesota. Bis 1950 war er als Lehrer in Wiesbaden tätig, anschließend für zwei Jahre als Assistent an der Hochschule für internationale pädagogische Forschung in Frankfurt/Main, bis 1956 als Leiter der deutschen Abteilung der Fulbright-Kommission in Bonn. 1956 trat der das Amt des Generalsekretärs der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an und nahm diese Funktion fast 40 Jahre mit besonderem Erfolg für die deutsche Wissenschaft im Ausland wahr.

Mit Liebenswürdigkeit, Humor und hervorragender Fachkenntnis förderte er den internationalen Wissenschaftleraustausch. Mehr als 15.000 Stipendiaten gehören seither zu einem erdumspannenden, unzerreißbaren Netz von Freunden Deutschlands. In der eindrucksvollen Liste ehemaliger Humboldtianer findet man viele, die in ihren Heimatländern inzwischen hohe Positionen erreicht haben. Das alles ist ganz wesentlich ein persönliches Verdienst von Heinrich Pfeiffer. Seine intime Kenntnis deutscher Forschung hat ihn auch zum vielkonsultierten, kritischen Fachmann im eigenen Lande gemacht.

Heinrich Pfeiffer hat sein Amt nie mit Routine ausgeführt, er war immer ein ideenreicher, geschickter, zielstrebiger und nimmermüder Generalsekretär, der mit Takt und Sachverstand seine diplomatischen Aufgaben zugunsten der Wissenschaft in Deutschland und in unseren Partnerländern hervorragend gelöst hat.

Seine Leistungen fanden internationale Anerkennung im ureigensten Sinne des Wortes: Heinrich Pfeiffer ist weltbekannt. Zahllose hochrangige nationale und internationale Ehrungen wurden ihm zuteil, so der Japan Foundation Award 1994 und das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Kontakt
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Leiterin des Präsidialbüros
Präsidialbüro
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