Drei neue Akademienvorhaben für die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

30.10.2015 | BBAW/PM-18/2015

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 30. Oktober beschlossen, neun Projekte neu in das Akademienprogramm von Bund und Ländern aufzunehmen. Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), Prof. Martin Grötschel, zeigte sich hocherfreut: „Die BBAW ist stolz darauf, dass sie wie in den vorangegangenen Jahren bei der Beantragung sehr erfolgreich war. Drei der neun neuen Projekte im Akademienprogramm werden an der BBAW beheimatet sein.

 Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 30. Oktober beschlossen, neun Projekte neu in das Akademienprogramm von Bund und Ländern aufzunehmen. Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), Prof. Martin Grötschel, zeigte sich hocherfreut: „Die BBAW ist stolz darauf, dass sie wie in den vorangegangenen Jahren bei der Beantragung sehr erfolgreich war. Drei der neun neuen Projekte im Akademienprogramm werden an der BBAW beheimatet sein, darunter zwei interakademische Projekte.“

 

Voraussetzung für die Aufnahme eines Projektes in das Programm ist seine überregionale und gesamtstaatliche wissenschaftspolitische Bedeutung. Das von Bund und Ländern finanzierte Akademienprogramm verfügt im kommenden Jahr über 63 Millionen Euro.

 

Die drei geförderten Neuvorhaben sind:

 

• Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). Fertigstellung in neukonzipierter Form

 

• Der Österreichische Bibelübersetzer. Gottes Wort deutsch. – in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

 

• Bernd Alois Zimmermann Gesamtausgabe. Historisch-kritische Ausgabe seiner Werke, Schriften und Briefe – in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz

 

Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). Fertigstellung in neukonzipierter Form
Trotz ihrer überragenden Wirkmächtigkeit sind Werk und Nachlass von Karl Marx und Friedrich Engels noch immer nicht vollständig ediert. In der historisch-kritischen Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) werden sämtliche Werke, Briefe und der gesamte Manuskriptnachlass erstmals umfassend und in authentischer Form veröffentlicht. Die international stark beachtete Edition bildet die maßgebliche Grundlage für ein neues, entideologisiertes und historisiertes Marx-Engels-Verständnis. Die Edition beansprucht Referenzcharakter und ist Grundlage für Einzelausgaben und Übersetzungen weltweit.
Ziel des Akademienvorhabens ist es, die Ausgabe nun durch ein neues, den Rezeptions-gewohnheiten des 21. Jahrhunderts entsprechendes Editionskonzept sowie durch digitale Erschließungs- und Publikationsformen endgültig abzuschließen.
Dabei sollen sämtliche noch ausstehenden Werke, Artikel und Entwürfe von Marx und Engels – darunter das 2013 von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärte „Kommunistische Manifest“ und die „Lage der arbeitenden Klasse in England“ – erstmals in historisch-kritischer Form in insgesamt zehn Bänden vorgelegt und damit die „Werk“-Abteilung der MEGA komplettiert werden. Von den noch unveröffentlichten Manuskripten und Exzerptheften werden nur noch die wichtigsten Arbeiten – die ökonomischen „Krisenhefte“, die Exzerpte zur Agrochemie und die Londoner Hefte – in Buchform erscheinen. Die übrigen publizistischen Werke, weitere Teile des Nachlasses sowie die Korrespondenz von Marx und Engels mit über 2.000 internationalen BriefpartnerInnen werden ausschließlich digital angeboten. Die Aufarbeitung der Korrespondenz z. B. wird erstmalig einen Einblick in die Netzwerke der europäischen Emigranten und Oppositions¬bewegungen ermöglichen. Der zum überwiegenden Teil aus Exzerptheften und Notizbüchern von Marx bestehende Nachlass an unveröffentlichten Manuskripten wird Einblicke in bisher unbekannte Arbeitsgebiete eröffnen, insbesondere in seine naturwissenschaftlichen Studien.
Die Erarbeitung der MEGA erfolgt in internationaler Forschungskooperation mit dem Internationalen Institut für Sozialgeschichte Amsterdam (IISG), dem Rußländischen Archiv für Sozial- und Politikgeschichte Moskau (RGASPI) sowie weiteren japanischen und deutschen Editorenteams. Das von Herfried Münkler (BBAW) beantragte Projekt hat eine Laufzeit von sechzehn Jahren.
Kontakt: Dr. Gerald Hubmann, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin, Telefon 030/20370-672, hubmann@bbaw.de

 

Der Österreichische Bibelübersetzer. Gottes Wort deutsch.
Die Bibel wurde, wie man weiß, schon vor Martin Luther ins Deutsche übersetzt. Zu wenig Beachtung fand aber in der Forschung die wohl bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet: Bereits im 14. Jahrhundert erstellte ein namentlich unbekannter Autor, den man nach dem Fundort der meisten Manuskripte als „Österreichischen Bibelübersetzer“ bezeichnet, eine umfassende und kommentierte Textversion. Besonderheit und Bedeutung der untersuchten Texte liegen in ihrer sprachlichen Brillanz, in der weitgehenden Vollständigkeit, der Begleitung durch Kommentare, die das zeitgenössische Textverständnis repräsentieren, und in der Tatsache, dass als Übersetzer ein Laie tätig war, der das Recht der Laien auf die Bibel in der Volkssprache vehement verteidigt. Die Edition wird die Texte inklusive Kommentaren und zeitgenössischen Bearbeitungen sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form bereitstellen. Damit wird eine Forschungsgrundlage auch für Theologen, Historiker und Kulturhistoriker sowie für verschiedene Philologien geboten. Die geplante Edition und Kommentierung wird das Verständis für das Spätmittelalter und seine Deutung maßgeblich beeinflussen. Das von Jens Haustein (Universität Jena), Freimut Löser (Universität Augsburg) und Martin Schubert (BBAW) beantragte Projekt hat eine Laufzeit von zwölf Jahren. Es wird von einer interakademischen Kommission begleitet, die beide beteiligten Akademien gemeinsam besetzen.
Kontakt: PD Dr. Martin Schubert, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin, Telefon 030/20370-282, schubert@bbaw.de

 

Bernd Alois Zimmermann Gesamtausgabe. Historisch-kritische Ausgabe seiner Werke, Schriften und Briefe
Gegenstand dieses gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, verantworteten Vorhabens ist eine der markantesten deutschen Komponistenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Die Werke von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) haben nicht nur früh das Interesse der Forschung geweckt, sondern sich weltweit auch außerhalb der auf Neue Musik spezialisierten Kreise im Repertoire durchgesetzt. Allein seine Oper ›Die Soldaten‹ hat trotz immenser aufführungstechnischer Schwierigkeiten seit ihrer Premiere etwa 30 Neueinstudierungen in 14 Ländern auf drei Kontinenten erlebt, davon allein vier innerhalb der letzten zwei Jahre. Seine Wirkung verdankt das Schaffen Zimmermanns einem zugleich Gattungsgrenzen sprengenden und Kunstsparten übergreifenden künstlerischen Ansatz, in dem sich die zentralen, auch zeithistorisch begründeten kompositorischen und ästhetischen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts wie in einem Brennglas bündeln. Zimmermanns seit den 1950er Jahren technisch äußerst avancierte und theoretisch reflektierte Kompositionsweise erlaubte die Integration verschiedenster musikalischer Stile, Genres und Zitate aus den unterschiedlichsten Sphären sowie eine mediale Öffnung. Auf der Basis einer außerordentlich günstigen Quellenlage – die Quellen sind durch das Werkverzeichnis von Heribert Henrich bereits sehr detailliert erschlossen und fast vollständig in Berlin zugänglich – und in Kooperation mit der Akademie der Künste, die den Nachlass des Komponisten verwahrt, bietet das Vorhaben eine derzeit einmalige Chance zur Entwicklung innovativer philologischer Methoden im Bereich der Musik.
Unter der Leitung der Musikwissenschaftlerin Dörte Schmidt (Universität der Künste Berlin) ist die Gesamtausgabe als Hybrid-Ausgabe geplant: Eine digitale, internetbasierte Edirom-Edition wird die Ansprüche eines vertieften, insbesondere quellenorientierten Forschungsinteresses bedienen und auf die Genese des Gesamtwerkes ausgerichtet sein. Eine herkömmlich in Bänden erscheinende Druckausgabe, die im Verlag Schott-Music erscheint, umfasst alle Informationen, die die kritische Edition für die musikalische Praxis bereitstellt. Das Projekt ist auf 25 Jahre angelegt. Da es sich um ein Projekt zweier Akademien handelt, ist eine Arbeitsstelle an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und eine andere an der Goethe-Universität Frankfurt.
Kontakt: Prof. Dr. Dörte Schmidt, Universität der Künste Berlin, Fakultät Musik, Fasanenstraße 1 B, 10623 Berlin, T. (030) 3185-2538; dschmidt@udk-berlin.de

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