Internationaler Schleiermacher-Kongress 2021: Kommunikation in Philosophie, Religion und Gesellschaft

Internationale Konferenz

25. - 29. Mai 2021

Online

Congrès international Schleiermacher 2021. La communication : Philosophie, religion, société

Eine Veranstaltung des Institut de Recherches Philosophiques , Université Paris Nanterre (Christian Berner), der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften  (Sarah Schmidt), des Centre Georg Simmel-EHESS/CNRS  (Denis Thouard), der Internationale Schleiermacher-Gesellschaft  sowie des IPT Paris  (Institut Protestant de Théologie).


Der internationale Schleiermacher-Kongress 2021 möchte den Philosophen, Theologen, Pädagogen, Übersetzer und Bildungsreformer Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher als Kommunikationstheoretiker in den Blick nehmen. Ob als Universitätslehrer, Kanzelredner, als politischer Reformer, Publizist, Salongänger oder Briefeschreiber – Schleiermacher war selbst ein begnadeter Kommunikator und im Begriff der Kommunikation bündeln sich wie in einem Brennglas viele zentrale Aspekte seines Denkens. Aufgrund der Pandemie wurde der ursprünglich für Mai 2020 in Paris geplante Kongress um ein Jahr verschoben und wird nun online stattfinden. An den Kongress (25.5.21 – 28.5.21) schließt sich eine Sommerschule für Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen an (28.5.21 – 29.5.21), die von der Deutsch französischen Hochschule  (DFH) finanziert wird und ebenfalls als online Veranstaltung geplant ist.


Im „Zeitalter der digitalen Kommunikation“ überschreiten Wörter und Bilder mühelos alle räumlichen Distanzen, ihre Übertragungsgeschwindigkeit rechnen wir in Sekundenbruchteilen, Speicherkapazitäten scheinen unbegrenzt, die Welt ist in sozialen Netzwerken miteinander vernetzt, simst, mailt, facebooket, twittert, googelt. Zugleich wird Information – ihre Verbreitung, Manipulation, Selektion oder Vorenthaltung ebenso wie ihre flächendeckende Auswertung – zu einem zentralen Wirtschafts- und Politikfaktor, dem der einzelne „Nutzer“ ausgeliefert scheint, der Machtgefälle spiegelt und Konflikte anheizt. 

Eine kritische Reflexion dieser kommunikativen Bedingungen unserer Gegenwart ist dringend geboten. Dabei geht es jedoch nicht nur um eine aufgeklärte Kritik dieser „Informationswirtschaft“, sondern ebenso um den Kommunikationsbegriff selbst, dem im täglichen Umgang mit twitter&Co eine Verkürzung droht. Denn das tägliche „Versenden“ immer kürzer werdender messages und simpler likes kultiviert nicht nur eine normierte, auf Entweder-Oder-Entscheidungen fixierte Kommunikation, es nährt auch die positivistische Vorstellung, dass in Kommunikationsprozessen ein transportables Paket hin und her geschickt wird, das es nur ein- und auszupacken gilt. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und auf Kommunikationskonzepte zu besinnen, die weit vor der digitalen Revolution ihre mediale Verfasstheit, ihre sprachliche, kulturelle und soziale Bedingtheit, ihre religiöse und ästhetische Bedeutung sowie ihre ethische Tiefendimension beleuchten.

Der in im Mai 2021 stattfindende Schleiermacher-Kongress möchte den Philosophen, Theologen, Pädagogen, Übersetzer und Bildungsreformer Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher als Kommunikationstheoretiker in den Blick nehmen. Ob als Universitätslehrer, Kanzelredner, als politischer Reformer, Publizist, Salongänger oder Briefeschreiber – Schleiermacher war selbst ein begnadeter Kommunikator und im Begriff der Kommunikation bündeln sich wie in einem Brennglas viele zentrale Aspekte seines Denkens. Seine Philosophie, Theologie und philologische Praxis zeichnen sich durch ihre emphatische Prozesshaftigkeit jenseits starrer Systeme aus. Sich in Sprache manifestierendes Wissen, moralisches Handeln, religiöses Erleben und der Entwurf gemeinschaftlicher Institutionen sind im beständigen Werden und nur im Austausch der miteinander streitenden, sich liebenden und hassenden, Ideen/Sinn entwerfenden und um Gemeinschaft und Individualität ringenden Menschen wirklich. Kommunikation findet nicht in einem kontextfreien Raum statt, sie ist immer Ausdruck und Teil einer religiösen, sprachlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Geschichte, in die wir uns in jedem Moment einschreiben und die wir gerade aufgrund unserer Verstrickung immer nur bedingt Einblick gewinnen. 

Schleiermachers Kommunikationstheorie findet in seinen Hermeneutik- und Dialektikvorlesungen im Prozess des Verstehens und streitenden Denkens eine sprach- und erkenntnistheoretische Fundierung, sie wird in seinen Übersetzungen vor dem Hintergrund einer unhintergehbaren Differenz der Sprachen praktisch und theoretisch reflektiert, sie ist Motor und Modus einer lebendigen Religionsausübung. Sie erhält in der Geselligkeit als freies Spiel der Gedanken im experimentellen Raum einer hierarchiefreien Gesellschaft eine zentrale ästhetische und gesellschaftliche Bedeutung und ist Teil einer alle menschlichen Tätigkeiten umfassenden Ethik. 

Auf dem Schleiermacher-Kongress soll Kommunikation dabei von ihrem „kleinsten“ bis hin zu ihrem „größten“ Umfang gedacht werden, insofern sie, Subjekt konstituierend, den Fortgang jedes Denkens, jeder Gewissensentscheidung, jedes künstlerischen Aktes bestimmt aber auch als Kommunikation zwischen Staaten, Religionsgemeinschaften und Kulturen von großer Bedeutung ist. Ein besonderes Gewicht wird der Aktualisierung seiner Entwürfe und ihrer ideengeschichtlichen Verflechtung zukommen, d.i. seiner systematischen Entsprechungen mit anderen Denkern und Denkerinnen und seine Anschlussfähigkeit an aktuelle Debatten und Problemkonstellationen. Fragen nach den Bedingungen und Möglichkeiten eines interkulturellen und interreligiösen Dialoges, nach Voraussetzungen des kommunikativen Handelns bilden dafür ebenso mögliche Ansatzpunkte wie Konzeptionen von Autorschaft und Schrift oder kontrastive Untersuchungen alter und gegenwärtiger Kommunikationsmedien. Wie lassen sich Kommunikationsnetzwerke abbilden und auslesen (z.B. aus Schleiermachers Tageskalendern), welche (religiöse aber auch welche gesellschaftliche und politische) Bedeutung kommt der Kommunikation von Emotionen (z.B. in einer Predigt) zu, welche (Wissens-, Kultur-)transferleistungen übernehmen Übersetzungen und schlummert in Schleiermachers Ethik eine politisch tragfähige und ethisch verbindliche Form von Gastfreundschaft und Geselligkeit, die uns in Zeiten weltweiter Migration Orientierung verschafft? 

Zu einem Nachdenken über diese und weitere Fragen zur Praxis und Theorie der Kommunikation gestern und heute mit Schleiermacher und über Schleiermacher hinaus sind Sie herzlich eingeladen. Der Kongress ist interdisziplinär angelegt und widmet sich drei thematischen Schwerpunkten: 

Thematische Panels des Kongresses 

  1. Polemik – Apologie: Streitkulturen in Religion, Wissenschaft und Gesellschaft
  2. Spiel – Protest – Utopie: Dimensionen der Geselligkeit 
  3. Materialität und Medialität der Kommunikation: Kulturtechniken des Redens, Schreibens, Lesens & Übersetzens

 

Der genaue Programmablauf des Kongresses wird in Kürze bekanntgegeben. Die Online-Veranstaltung wird via Zoom übertragen, die Teilnehmerzahl ist limitiert. Wir bitten deshalb um Anmeldung via Formular (bis 24. Mai 2021, 24:00 Uhr). Am Vortag der Veranstaltung erhalten Sie einen entsprechenden Zugangslink. Mit der Teilnahme an der Online-Veranstaltung erklären Sie sich mit den Datenschutzrechtlinien von Zoom einverstanden.


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Dr. Sarah Schmidt
Arbeitsstellenleiterin
Schleiermacher in Berlin 1808-1834. Briefwechsel, Tageskalender, Vorlesungen
Tel.: +49 (0)30 20370 230
sschmidt(at)bbaw.de 
Jägerstraße 22/23
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