AUSSTELLUNG | SPOLIA 44

Ausstellung

06. Juni - 11. Juli 2026

Akademiegebäude Unter den Linden, Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Papierabklatsche von Nora Okka

Papierabklatsch mit symmetrischem Tiermotiv © Nora Okka

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften präsentiert die Ausstellung SPOLIA 44, eine Präsentation von vierundvierzig vielschichtigen Papierabklatschen von Nora Okka, die Kreuze, Unendlichkeitssymbole und Inschriften der Kleinen Metropolis in Athen zeigen. Im Zentrum dieser künstlerischen Arbeit steht eine Erweiterung der epigraphischen „Abklatsch“-Technik, die seit Jahrhunderten zur Dokumentation und Erforschung von Inschriften verwendet wird. Sie überführt dieses archivierende Verfahren in einen vielschichtigen materiellen Prozess. Durch aufeinanderfolgende Papierabdrücke, die Reliefoberflächen in Tiefe und Struktur erfassen, verbindet sie das Nachzeichnen von Inschriften mit der Logik des skulpturalen Abgusses. Auf die Spolien der Kleinen Metropolis in Athen angewandt, verwandelt diese Technik Fragmente in dynamische, modulare Kompositionen, die sich neu anordnen, gegenüberstellen und aus nächster Nähe betrachten lassen.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt Inscriptiones Graecae an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, das sich der Sammlung, Dokumentation und kritischen Edition antiker griechischer Inschriften widmet. Im Zentrum dieser epigraphischen Arbeit steht die Untersuchung der Originale sowie ihre Sicherung durch Abklatsche. Durch die Präsentation der Abklatsche von Inschriften neben den vielschichtigen Spolienabklatschen verbindet die Ausstellung künstlerische Transformation mit epigraphischer Forschung und macht ihre gemeinsame methodische Grundlage sichtbar.

Der Begriff „Spolia“ bezeichnet die Wiederverwendung architektonischer Elemente. Im Fall der Kleinen Metropolis, einer Kirche des 12. Jahrhunderts, die nahezu vollständig aus wiederverwendetem antikem Material errichtet wurde, sind Reliefs und Inschriften unterschiedlicher Herkunft in einem einzigen Bauwerk zusammengeführt. Diese vielschichtige Materialität bildet den Ausgangspunkt der Arbeit, in der Fragmente nicht nur bewahrt, sondern neu interpretiert und konfiguriert werden.

Nora Okka ist Architektin und bildende Künstlerin mit Sitz in Athen. Sie entwickelt Räume und Objekte, in denen architektonische und kuratorische Konzepte neu gedacht werden. Ihre akademische und künstlerische Auseinandersetzung mit antiken Praktiken und den gegenwärtigen Nachwirkungen von Spolien hat zu einer Reihe architektonischer Projekte und künstlerischer Arbeiten geführt, die Spolien als mikrographische Konstitution von Architektur untersuchen. Ihre architektonische Praxis baut auf diesem Ansatz auf und richtet sich auf den Wert der Wiederverwendung sowie die bewusste Umnutzung bestehender Bauelemente und Materialien. Dieser integrierte Entwurfs- und Bauprozess führt zu einer eigenständigen architektonischen Sprache, die die Herkunft der Materialien sichtbar macht. Seit 2012 setzt sich Nora Okka intensiv mit Spolien auseinander und entwickelt derzeit eine digitale Plattform, die verborgene Netzwerke von Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart sichtbar machen soll. In diesem Zusammenhang schafft dieses Mapping eine gemeinsame Grundlage für die Praxis der Spolienverwendung und fördert die lokale Wiederverwendung von Baumaterialien.

Präsentiert von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, organisiert und initiiert mit Unterstützung der Schwarz Foundation.

 

 

Begleitprogramm

SAMSTAG, 6. JUNI 2026, 18 UHR
Ausstellungseröffnung mit Künstlerin Nora Okka, Akademiepräsident Christoph Markschies und Vertreter:innen der Schwarz Foundation

SAMSTAG, 13. JUNI 2026, 16 UHR
Rundgang mit Zoe Gehlfuß (BBAW) 

MITTWOCH, 24. JUNI 2026, 18 UHR
Podiumsdiskussion u.a. mit Kunsthistoriker Horst Bredekamp (Akademiemitglied)

 



English:

The Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities presents the exhibition SPOLIA 44, a show of forty-four multi-layered paper squeezes by Nora Okka depicting crosses, symbols of infinity and inscriptions of the Little Metropolis of Athens. At the core of this artistic work is an expansion of the epigrapher’s traditional “squeeze” technique, historically used to document and study inscriptions. She transforms this archival method into a multi-layered material process. Through successive paper impressions that capture relief sculpture in depth and texture, she merges inscription tracing with sculptural casting logic. Applied to the spolia of the Little Metropolis of Athens, this technique elevates fragments into dynamic, modular compositions that can be rearranged, juxtaposed and closely examined.

The exhibition is realized in collaboration with the research project Inscriptiones Graecae at the Berlin-Brandenburg Academy, which is dedicated to the collection, documentation and critical edition of ancient Greek inscriptions. At the center of this epigraphic work is the study of the original objects and their preservation through squeezes. By presenting squeezes of inscriptions alongside multi-layered spolia squeezes, the exhibition brings together this artistic transformation and epigraphic research, making visible the shared methodological foundation.

The term “spolia” refers to the reuse of architectural elements. In the case of the Little Metropolis, a 12th-century church built almost entirely from reused ancient material, reliefs and inscriptions of different origin are recombined within a single structure. This layered material condition forms the starting point of this work, in which fragments are not only preserved but reinterpreted and newly configured.

Nora Okka is an Athens-based architect and visual artist. She creates spaces and objects through which architectural and curatorial frameworks are reinterpreted. Her academic and creative research into the ancient practices and the contemporary legacies of spoliation, has resolved into a series of architectural projects and artworks that demonstrate and examine the concept of spolia as a micrographic constitution of architecture. Her architectural practice builds upon this guiding principle and centres on the value of reuse and the conscious repurposing of the existing building elements and materials. This integrated design and construction process results in a unique architectural language for each project ensuring architectural provenance. Having explored spolia since 2012, Nora Okka has been developing an online spolia platform aiming to make visible the hidden traces that link the past into the present. Within this context, this web mapping will provide a common ground for the entire practice of spoliation promoting localized reuse of building materials open and accessible to all.

Presented by the Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities, organized and initiated with the support of the Schwarz Foundation.

Franziska Urban
Veranstaltungskoordinatorin
Kommunikation
Tel.: +49 (0)30 20370 529
franziska.urban@bbaw.de 
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin