Akademievorlesungen „Wissenschaftskommunikation digital – Chancen und Risiken der Vermittlung von Wissen“

Die Kommunikation rund um die Corona-Pandemie zeigt, welche Relevanz Wissenschaftskommunikation haben kann und welchen Herausforderungen sie in einer digitalen Medienwelt begegnet. Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Implikationen der Digitalisierung für die Qualität der Wissenschaftskommunikation“ der BBAW hat sich intensiv mit den Risiken und Chancen für Wissenschaft, Politik, Medien und Gesellschaft befasst und stellt ihre Ergebnisse vor. Im Fokus des diskursiven Formats stehen auch Implikationen für Wissenschaft, Politik, Medien und Gesellschaft.


Akademievorlesung I | 07.10.2021

Zwischen Szientismus und Wissenschaftsskepsis – Herausforderungen für Wissenschaftskommunikation in der digitalen Welt

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Covid 19 und Klimawandel – diese Themen stehen neben vielen anderen sinnbildlich für zwei gesellschaftliche Handlungsfelder, in denen die Politik aber auch Bürgerinnen und Bürger auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen sind, um bestmöglich Entscheidungen treffen zu können. Die Vermittlung von wissenschaftlichen Themen an Akteure außerhalb der Fachcommunity wird allgemein als Wissenschaftskommunikation bezeichnet. An ihr beteiligt sind Journalistinnen und Journalisten in Zeitungen und Rundfunk ebenso wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Doch nicht nur diese Expertinnen und Experten informieren über neueste Forschungsbefunde. Gerade die sog „Infodemic“ (ein Begriff der WHO, der in Anlehnung an das Wort Pandemie als Infodemie übersetzt werden kann) hat gezeigt, dass auch zahlreiche andere Akteure über Wissenschaft kommunizieren, dabei aber in erster Linie eigene Interessen im Blick haben. Desinformationskampagnen oder Fake News sind insbesondere mit der rasanten Ausbreitung digitaler Medien und dem Aufkommen immer neuer digitaler Plattformen zu einem Problem für die Qualität von Wissenschaftskommunikation und die öffentliche Meinungsbildung geworden.

Diese Entwicklungen sind von so großer Tragweite, dass sie auch innerhalb der Wissenschaft stark diskutiert werden. Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten drei Jahren auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der BBAW mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Qualität der Wissenschaftskommunikation befasst. In dieser ersten von drei Veranstaltungen zur Akademievorlesung stellen der Sprecher der Arbeitsgruppe, Peter Weingart (Akademiemitglied), sowie die Mitglieder Elisabeth Hoffmann (Technische Universität Braunschweig), Christoph Neuberger (Weizenbaum Institut | Freie Universität Berlin), Jan-Hendrik Passoth (Europa-Universität Viadrina) sowie Holger Wormer (Technische Universität Dortmund) zentrale Ergebnisse vor. Dabei werden eingangs die Veränderungen der Wissenschaftskommunikation im Kontext der Digitalisierung erläutert und darauf aufbauend Konsequenzen für die Wissenschaft und die Gesellschaft aufgezeigt.


Akademievorlesung II | 28.10.2021

The Race between Science and Pseudoscience in the Digital World from the Perspective of Cognitive Psychology

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Imagine a world that considers knowledge to be “elitist”. Imagine a world in which it is not medical knowledge but a free-for-all opinion market on Twitter that determines whether a newly emergent strain of avian flu is really contagious to humans. This dystopian future is still just that — a possible future. However, there are signs that public discourse is evolving in this direction: Concerns with “post-truth” politicians and “fake news” have exploded into media and public discourse during the last few years. Social media are replete with pseudoscience and conspiracy theories that compete with valuable scientific information for the public’s attention.

Stephan Lewandowsky (University of Bristol) examines some putative causes for those trends and explore their consequences in everyday life and how they affect the conduct and communication of science. Moreover, he examines the variables that determine people’s attitudes towards science and suggest ways in which the effects of misinformation and resistance to scientific evidence can be attenuated.


Akademievorlesung III | 04.11.2021

Faktensicherung statt Fake News? Welche Potentiale hat die Regulierung von Sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation?

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Wer soll beurteilen, was Desinformation ist? Der Aufstieg der Plattformgerichte – Der im Oktober 2020 ins Leben gerufene Facebook-Aufsichtsrat ist vielleicht das paradigmatischste Beispiel für eine neue Art von „Plattformgerichten“. Das Oversight Board von Facebook ist eine Reaktion auf den wachsenden Druck auf Plattformunternehmen, ihre Politik der Inhaltsmoderation in Einklang mit den Grundrechten und öffentlichen Werten zu bringen.

Die von Mark Zuckerberg selbst im Jahr 2018 als „fast wie ein Oberster Gerichtshof“ bezeichnete Idee einer neuartigen Instanz der Rechtsprechung, die von gerichtlichen Beschränkungen, nationaler Gesetzgebung und langsam arbeitenden nationalen Gerichtssystemen befreit ist, wurde bald von anderen Plattformunternehmen wie Twitter und TikTok kopiert. Das Oversight Board und ähnliche Initiativen anderer Social-Media-Plattformen werden eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Art und Weise spielen, wie Plattformen mit Fällen von Desinformation umgehen, z. B. im Zusammenhang mit irreführenden gesundheitsbezogenen Behauptungen, politischen Behauptungen oder dem Klimawandel, und zur Weiterentwicklung ihrer Strategien zur Inhaltsmoderation beitragen.

Natali Helberger (Universität Amsterdam) wird die Entwicklung von Aufsichtsräten und neuen Beiräten in den Kontext dreier Entwicklungen stellen: die wachsende politische Macht der Plattformen, die schwindende Autorität nationaler Gerichte und Regierungen bei der Regelung der Online-Welt und eine neue Rolle für andere Institutionen, einschließlich der Wissenschaft, bei der Unterstützung von Gerichten und der Gesellschaft, um die systemischen Risiken, die durch die Macht der Plattformen entstehen, besser zu verstehen und ihnen zu begegnen.

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